30 days of Blogging. Tag 22. That's offensive. Ein Bechdel-Test für Minorities.

Seht ihr dieses Gif? Ich habe ungefähr vier Tage verwendet, um es aus einem Buzzfeed-Video herauszuschneiden und mit einer Caption zu versehen:



Ihr glaubt gar nicht, wie aufwendig das ist. Liegt vielleicht daran, dass ich das nicht jeden Tag mache. Bitte kopiert das Gif und verwendet das in Verbindung mit Klischees und Alltagsrassismen gegen AsiatInnen.

Letztens wurde ich auf Twitter aufmerksam gemacht auf einen Film, in dem, man staune, zwei vietnamesische Mädchen die Hauptrolle spielen. Er heißt "Ente gut! Mädchen allein zu Haus" und kommt diese Woche in die Kinos. Einige haben auf Twitter ihr Unbehagen zu diesem Film geäußert, ich musste bei dem Titel die Augen verdrehen. Aber ist der Film "offensive" oder nicht?

Hier der Inhalt nach moviepilot.de:

Die 11-jährige Linh und ihre 9-jährige Schwester Tien sind in Ente gut! plötzlich auf sich allein gestellt, als ihre Mutter überstürzt in die vietnamesische Heimat abreist, um die kranke Großmutter zu pflegen. Die zwei Mädchen besuchen unterdessen weiterhin die Schule, übernehmen darüber hinaus aber auch den Familienbetrieb: die Leitung eines Imbisses. Dass lediglich zwei kleine Vietnamesinnen den Laden schmeißen, darf aber natürlich keiner wissen.
Das Nachbarsmädchen Pauline wird dennoch auf das Geheimnis der beiden Schwestern aufmerksam und will die beiden mit ihrem Wissen erpressen. Doch dann kommt alles ganz anders und die drei werden Freundinnen. Pauline hilft ihnen sogar, das Stillschweigen zu bewahren. Doch die Abwesenheit von Linhs und Tiens Mutter geheimzuhalten, wird mit jedem Tag schwerer. Wird es am Ende trotzdem ein “Ente gut, alles gut” geben?

Ich habe mir den Trailer zusammen mit Schwesterherz angesehen und ich bin zwiegespalten, während . Er ist nicht schlimm, aber viele Sachen sind doch arg klischeehaft geraten, was nicht hätte sein müssen.

Folgende Punkte bemängeln Schwesterherz und ich:

  • Der Plot ist - naja. Die Idee war, "Kevin allein zu Haus" zu machen, aber dass die Mutter wegen der kranken Großmutter ihre zwei schulpflichtigen Kinder allein lässt. Mei, es ist die "Kinder an die Macht"-Idee vieler Kinderfilme. Realistisch ist es nicht, kulturell passend schon gar nicht. Da Kinder die Zukunft sind, investiert man alles in sie. Und wenn die Oma dran glauben muss.
  • Karate/Kung Fu/Martial Arts: Ganz ehrlich, ich kenne keine/n VietnamesIn, der/die Martial Arts beherrscht. Außer meinem kleinen Bruder, der vor kurzem damit begonnen hat. Wir verstärken hier das Klischee, dass alle AsiatInnen Martial Arts-MeisterInnen sind. *ha-yah!*
  • Die Mutter spricht kein Deutsch: Es mag ja sein, dass Einwanderer nicht gut Deutsch sprechen oder einen Akzent haben. Aber null Deutsch? Wenn der Vater der Kinder Deutscher sein soll? Nö.
  • Verbeugung. Jetzt hört mal zu. Wir sind VietnamesInnen. Wir machen keine japanischen Verbeugungen. Allenfalls im buddhistischen Tempel. Aber: Längst nicht alle VietnamesInnen gehen brav in den Tempel. Was hat zwei Daumen und ist katholisch? Diese Bloggerin. Hätte aber nicht ins Konzept gepasst, weil nicht fremd genug. Alle TürkInnen müssen ja auch muslimisch sein.
  • Der Titel. "Ente gut". Jaja, Asia-Imbiss, Peking-Ente, alles klar. Ist mir zu klischeehaft.
  • Das Filmposter. Vietnamesische Mädchen würden Ao Dai tragen, nicht die chinesischen Seidengewänder. Stehkragen ist nicht gleich Stehkragen. Research, motherf*cker? Do you do it?

Der Film vergreift sich nicht komplett im Ton, aber bei einigen Aspekten greift er doch arg tief in die Klischeekiste. Es müsste so etwas wie den Bechdel-Test für Minorities geben, mit dem man schnell überprüfen kann, wie "offensive" ein Medienwerk ist.

Hier ein Vorschlag für so einen Test - ich nenne ihn den Bananas-Test:

  • Sind in dem Werk mehr als zwei Charaktere aus ethnischen Minderheiten?
  • Haben diese Charaktere eine Sprechrolle und wenn ja, sprechen sie miteinander?
  • Sind diese Figuren mehrdimensional, das heißt, haben sie Eigenschaften, die über die typischen Bilder dieser ethnischen Minderheit hinausgehen?

Wenn man diese drei Fragen mit "ja" beantworten kann, ist das Fundament für inklusive Medien gelegt. Aber wie der Bechdel-Test auch hat dieser Test seine Lücken. Was zum Beispiel, wenn es nur eine einzige Minderheitenfigur gibt, die aber hervorragend ausgearbeitet ist? Etwa ein türkischstämmiger Tatort-Kommissar, der verschiedene Verbrechen aufklärt und eine spannende Backstory hat? Ist das gesamte Werk aus repräsentativer Sicht mies?

Bei "Ente gut" können wir zwar die ersten beiden Punkte mit "ja" beantworten, Frage drei würde ich nach Sichtung des Trailers verneinen. Ist es also teilweise "offensive"? Überzeugt euch selbst:




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