Naekubis Presseschau - Teil 8.2: Stella


Frauenzeitschriften sind ja eine Sache für sich.
Niemand will es gewesen sein, der sie kauft, niemand liest sie. Ha. Von wegen. Frauenzeitschriften feiern, wie man so schön sagt, fröhliche Urständ und es kommen immer wieder neue Blättchen heraus.

So wie die Zeitschrift Stella. Die norwegische Ausgabe der Stella ist erst seit wenigen Monaten auf dem Markt. Ihre Aufmachung finde ich sehr gelungen, wenn auch nicht spektakulär. Die "Kapitelanfangsseiten" sind allerdings sehr hübsch im Aquarellstil gestaltet:


Die behandelten Themen bieten den üblichen Mix aus Promi-Interviews, Reportagen, Mode und Beauty, ein bisschen Psychologie und ein bisschen Ernährung. DAS Thema in Norwegen ist derzeit die "lavkarbodiett", auf neudeutsch "low-carb-Diät". Diese Sau ist bei uns schon vor Jahren durch's Dorf getrieben worden; während meinem Urlaub in Bergen hätte ich ungelogen täglich in der Zeitung darüber lesen können.


Interessant war der Artikel über die Angst, bei fremden Menschen anzurufen. Dieses unangenehme Gefühl kenne ich selbst ganz gut (ich schüchternes Ding, ich). Dass ich aber so einen Artikel ausgerechnet in einer norwegischen Frauenzeitschriften fand, ist schon sehr bezeichnend. Man sagt den Skandinaven wohl nicht umsonst nach, etwas menschenscheu und zurückhaltend veranlagt zu sein.

Ein bisschen Beauty muss natürlich auch sein. So hat die Anti-Pigmentflecken-Pflege und der "Haut-möglichst-Schneeweiß"-Trend aus Asien endlich auch Nordeuropa erreicht. Im Artikel "Ausgleichsmandat" findet man alle Infos zur Entstehung, Behandlung und Vermeidung von Pigmentflecken, vulgo "Sommersprossen".


Mein persönliches Highlight bei den Artikeln war der Bericht über Mütter, die keine Elternzeit (norw. "permisjon") nehmen und quasi gleich nach der Geburt wieder zu arbeiten anfangen. Das auch für Norwegen sehr ungewöhnlich, denn der norwegische Staat sorgt gut für seine Bürger/innen:
Wenn die Eltern zusammenwohnen und Recht auf Elterngeld haben beträgt der Bewilligungszeitraum 47 Wochen mit 100% Deckungsgrad bzw. 57 Wochen mit 80%. Drei Wochen vor und sechs Wochen nach der Geburt sind der Mutter vorbehalten, 12 Wochen dem Vater. Die übrigen 26 bzw. 36 Wochen sind für beide gemeinsam.
47 Wochen lang das Gehalt wie vor der Geburt? Die Norweger schwimmen schon im Geld. Im Übrigen sind die 12 Wochen Recht auf Elternzeit für den Vater ganz frisch  im Juli 2011 eingeführt worden.


Die norwegischen Frauen gelten gemeinhin als sehr emanzipiert, man müsste meinen, dass Arbeiten gleich nach der Geburt nicht so eng gesehen wird. Ein Trugschluss, denn mit weiblicher Toleranz oder gar Solidarität ist es oft nicht weit her:
Auch Fam Irvoll erhielt negative Kommentare meist von anderen Frauen. Sie glaubt, dass dies mit deren Suche nach Bestätigung zusammenhängt, dass sie selbst mit der einjährigen Elternzeit die richtige Wahl getroffen haben. "Frauen neigen unangenehmerweise dazu, andere Frauen schlechtzumachen. Ich glaube, dass diejenigen mit negativen Kommentaren zu wenig zu tun haben und deshalb in Internetforen unterwegs sind und andere Frauen mit anderem Lebenswandel mit Dreck bewerfen."
Wieder was gelernt: Stutenbissigkeit gibt es hüben wie drüben. Dabei sollte es selbstverständlich sein, dass auch Frauen ohne schiefe Blicke gleich nach der Geburt arbeiten können, sofern sie es möchten. Deshalb als Statement zum Schluss ein Zitat von Sissel Sare (Human Resources-Direktor bei Bluegarden):
Als Frau hat man weniger Vorbilder. Deshalb ist es so wichtig, dass die, die es nach oben auf Führungsniveau geschafft haben als Beispiele erscheinen können für das, was tatsächlich möglich ist.
Insgesamt: Mir hat Stella ganz gut gefallen. Sie ist nicht ganz so bieder wie Brigitte, hat aber etwas mehr Stil als die Glamour. Das sehr klare Design wie auch die Wahl der Schriftart erfreuen mein Auge. Die Neuerfindung des Konzepts "Frauenzeitschrift" ist sie indes nicht. 


Danke für's Lesen. Bis zum nächsten Mal.

Share this:

, , ,

CONVERSATION

0 Kommentar/e:

Kommentar posten