Ich bin kein Eremit.

"Blumen im Garten, so zwanzig Arten, von Geranien, Schneeweiß und Petunien..."


30 Tage sind eine relativ lange Zeit. Lang genug jedenfalls, dass sich in diesem Intervall echte Gewohnheiten entwickeln können. Es heißt, man braucht mindestens drei Wochen, bis man eine neue Gewohnheit erlernt hat. Bis man eine Tätigkeit sich zu eigen gemacht hat, die einen dann prägt. Was ich damit sagen will: So langsam vermisse ich das tägliche Bloggen - so anstrengend es bisweilen war, eine Stunde oder mehr pro Tag in meinen Blog zu investieren, so sehr fehlt mir die kathartische Wirkung, vor einem Publikum mein Leben darzustellen und zu reflektieren.

Ich gebe es zu: Man gewöhnt sich daran, ein Publikum zu haben. Es befriedigt meinen Drang nach Selbstdarstellung; wenn ich dabei noch etwas Gutes bewirken kann, umso besser.

Für heute habe ich keine besonderen Ereignisse zu berichten. Ich verbrachte den Tag im Home Office, wo ich in Ruhe einige Dinge abarbeiten bzw. überhaupt in Angriff nehmen konnte. So angenehm ich es bisweilen zu Hause finde, so sehr würden mir meine KollegInnen nach einer Weile fehlen. Unglaublich, aber wahr: Selbst Großraumbüro kann in Ordnung sein. Wer hätte gedacht, dass ich diesen Satz einmal sagen würde. Ich, die ich mich als weitgehend introvertiert bezeichne.

Je älter ich werde, desto mehr zweifle ich an dieser Einschätzung. Nach wie vor finde ich große Menschenmenge eher anstrengend als belebend und nach einer guten Woche unter lauter Leuten freue ich mich auf meine eigenen vier Wände. Aber mit jedem Lebensjahr werde ich besser im Umgang mit anderen Menschen. Sie fehlen mir manchmal sogar. Unglaublich.

Das ist eine weitere Erkenntnis: Je mehr ich mit mir selbst im Reinen bin, desto mehr Verständnis habe ich für die Eigenheiten von anderen. Es ist, als ob ein pfleglicher Umgang mit einem selbst einen erst dazu befähigt, pfleglich mit anderen umzugehen. Wer hätts gedacht?! Die Imperfektion des Lebens zu akzeptieren, seine eigenen Unzulänglichkeiten zu sehen und zu akzeptieren - das bringt mich einen guten Schritt weiter.

Gleichzeitig wird es leichter, andere mit ihren Unzulänglichkeiten zu akzeptieren. Ein YouTube Video von Alain de Botton/The School of Life bringt es gut auf den Punkt: Wenn man es schafft, den anderen nicht nur als Idioten, sondern als liebenswerten Idioten zu sehen, hat man einen wertvollen Schritt persönlicher Reifung hinter sich. Vor allem wenn man weiß, dass man selbst einer dieser Idioten ist.

Um mit einer klassischen Publikumsbeleididung abzuschließen: Ich wünsche euch liebenswerten Idioten einen schönen Abend.

Und ja, das tägliche Bloggen ist zurück! Wir werden sehen, wie lang wir diesmal durchhalten ;)

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