korientation-Feier in Berlin und Asian-German Identity


Kien Nghi Ha, Illustration von Nguyen I Linh
Ehe die Berlin-Reise im Nebel des Vergessens verschwindet, berichte ich euch noch von dem eigentlichen Grund meines Trips: Kien Nghi Ha, Herausgeber des Bands "Asiatische Deutsche - vietnamesische Diaspora and beyond" hatte mich eingeladen, bei einer kleinen Feier dabei zu sein. Nicht nur ist die neue Webseite von www.korientation.de online, sondern auch die Angelegenheit um den Heimathafen Neukölln hat sich positiv entwickelt (dazu mehr in einem separaten Post).

"Es wäre schön, wenn wir dich mal kennen lernen würden", hieß es in der Mail an mich. Oh, wirklich? ;_; Ich und mein kleiner Blog... T_T
Schnell war das Busticket gebucht und über die panasiatische E-Mail-Liste meine Unterkunft klar gemacht (danke noch einmal an Trang für die freundliche Aufnahme im Wedding!).

Wir trafen uns Sonntagnachmittag bei Kimiko in Kreuzberg, die freundlicherweise nicht nur ihre Wohnung zur Verfügung stellte, sondern sich auch zum Großteil um die Bewirtung kümmerte. (An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank für das Sushi und die Waffeln!) Ich habe quasi den gesamten Abend gegessen. Sushi, Kuchen, Baklava, Kimchi-Pancakes, Eis... hach. Essen macht Spaß.

Sushi in the making.

Zusammen ist man weniger allein

Wenn ich an meinem Blog arbeite und mir Gedanken zur asiatisch-deutschen, vietnamesisch-deutschen oder wie auch immer gearteten Identität mache, zu Rassismus und Sexismus schreibe und tweete, dann bin ich hier in München vor allem eins: Einzelkämpferin. Mit wenigen kann ich mich über mein asiatisch-deutsches Leben austauschen, die wenigsten leben es selbst.

Aus diesem Grund war es schön, auf Menschen zu treffen, die eine ähnlich zusammengeflickte Identität haben und dabei ähnlich progressiv denken. Alle, die ich auf der Feier traf, hatten ihre eigene Geschichte: Von Menschen, deren Eltern teilweise oder gänzlich aus Ost-, Südost- oder Südasien stammen oder die selbst von Thailand oder Japan nach Deutschland ausgewandert sind. Ob es in unserer Biographie oder in unserer Identität eine Schnittmenge gibt, die letztlich alle miteinander verbindet, ist schwer zu sagen. Wichtig aber war, dass wir uns alle in irgendeiner Form als asiatisch und deutsch begreifen. Und dass es für uns wichtiger ist, unsere Kräfte zu bündeln anstatt uns bei Konflikten der Vergangenheit aufzuhalten.

Ich bin keine gute Fotografin.


Anders als in den USA, wo die Asian-Americans eine eigene Kultur und Infrastruktur aufgebaut haben, stehen wir in Deutschland noch ganz am Anfang - die Feier in Berlin war der Startschuss für eine hoffentlich engere Zusammenarbeit zwischen Einzelkämpferinnen wie mir und Verbänden mit Länderschwerpunkten. Wir haben hier in Deutschland den Nachteil, dass wir zum einen rein zahlenmäßig viel weniger AsiatIschstämmige haben und dass wir uns zum anderen auf viele verschiedene Städte im ganzen Land verteilen.

Kien Nghi Ha eröffnet die Feier mit einer kleinen Rede.

Studierende, Schreibende, KünstlerInnen und MusikerInnen, Filmschaffende: alles war dabei. Ich fühlte mich sehr wohl, einfach "normal" (Leute, die in ethnischer Hinsicht hier als normal gelten, machen sich gar keine Vorstellung, wie wohl es tut, sich selbst mal als normal zu erleben.) Den gesamten Abend über ging es um Fragen von Repräsentation, Theater und Kunst, wie und in welcher Form wir eine Verbindung zu Asien haben und sie leben (von "ich kann nur noch ganz wenig Vietnamesisch" über "ich fliege alle zwei Jahre nach Japan"). Poststrukturalistische Theorien paarten sich mit unglaublichen Zufällen.

Da war die Sache mit Sabine, mit der ich mich unterhielt. Ihre Mutter ist Koreanerin, ihr Vater Deutscher. Schnell fanden wir heraus, dass wir beide aus Mittelfranken stammten. Ich merkte an, dass ich erst zwei Wochen zuvor in München einen Koreanisch-Deutschen getroffen hatte, der auch aus Franken war, jetzt aber in London lebte. Sabine sah mich entgeistert an: "Du meinst aber nicht meinen Bruder, oder?" Die Welt ist klein.

Wozu das alles?

Nghi fragte mich später am Abend eine Sache. "Warum hast du mit dem Bloggen angefangen?" Ich musste etwas länger überlegen. Inzwischen ist mir Bloggen so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich es einfach mache.

Ich blogge, weil ich muss.
Nicht im Sinne eines Zwangs, sondern im Sinne eines inneren Bedürfnisses.

Um mir über Dinge klar zu werden.
Um meine Position in der Welt zu finden.
Um mich auszudrücken.

Wenn ich dabei andere treffe, denen es ähnlich geht und die meine Gedanken hilfreich finden, freue ich mich.

Danke an alle, die diese Feier möglich gemacht haben: Nghi, Kimiko, Noa, Trang, Ngoc Anh, Dan Thy (ich habe den Namen deiner Freundin vergessen!), Daniel, Toan, Thuy, Smaran, Anna, Susan (aus Freiburg nach Berlin trampen muss man erstmal schaffen), Kate, Sabine, und alle, die ich vergessen habe. Ich komme gerne wieder! :) 



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