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Update zwischen Tür und Angel
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| Morro Bay - flickr, Edward Conde, CC 2.0 |
Ich sitze gerade auf dem Boden und packe Koffer. Bitte verzeiht diesen rohen und weitgehend unredigierten Lagebericht! Derzeit geht es bei mir auf der Arbeit und auch sonst ganz schön rund, den gesamten Herbst werde ich quasi nur auf Achse sein.
Zunächst einmal nehme ich teil an der Tagung Brückenschlag, einem Vernetzungstreffen für junge Deutsch-Vietnamesen. Ich bin schon einmal gespannt, wie es dort so wird. Den Referenten Kien Nghi Ha kenne ich bereits vom letzten Jahr, als ich bei korientation in Berlin zu Gast war. Früher mochte ich Treffen mit meinen Landsleuten gar nicht. Ich kam mir immer wie im falschen Film vor, weil ich mich so ganz anders verhielt als die anderen, weshalb ich annahm, ich sei nicht besonders vietnamesisch. Aber mit den Jahren stellte ich fest, dass ich mich in vielen sozialen Kontexten komisch fühle, unabhängig von der Nationalität. Es muss also an meiner Persönlichkeit liegen - ich bin wahrscheinlich einfach ein bisschen seltsam.
Direkt von dort geht es weiter auf Geschäftsreise - ja, Naekubi hat es geschafft und einen "richtigen Job", wie es eine neue Kollegin gestern ausdrückte. Ich darf KollegInnen in Social Media schulen und sie auf die Gepflogenheiten der Kontaktaufnahme über soziale Netzwerke aufklären. Für jemanden wie mich, die seit Jahren sich auf so Netzwerken herumtreibt, sind viele Sachen selbstverständlich. Für viele andere, die noch ein Leben außerhalb des Computers haben, allerdings nicht. Nun habe ich die edle und verantwortungsvolle Aufgabe, gut 600 KollegInnen in Deutschland und der Schweiz Social Media beizubringen. Das wird - anstrengend. Aber ich freue mich drauf. Ich hoffe, dass ich währenddessen selbst zu Updates auf Twitter oder Instagram komme.
Diesen Herbst komme ich aus dem Reisen nicht mehr heraus: Im Oktober geht es für mich auch schon in den Urlaub. Ich wäre aber nicht Naekubi, wenn ich das nicht für meinen Blog nutzen würde ;) Für mich geht es mit Storebror und Schwesterherz nach Kalifornien auf Roadtrip. Wir werden uns vermutlich die Dürre ansehen, die Küste abfahren, Filmlocations besuchen (das Haus Bradbury erscheint mir extrem spannend) und nicht zuletzt: Asian-American Lifestyle erleben. In LA werde ich eine alte Berliner Bekannte treffen, die bequemerweise in Little Tokyo bei einer Organisation für Asian-Americans ein Praktikum macht. Endlos viel Material für den Blog also.
Meine Tinder-Serie habe ich nicht vergessen - der dritte Teil wird kommen, versprochen! Diese Geschichte war von Anfang an auf eine Trilogie ausgelegt, es wäre schade, sie nicht zu vollenden.
So, ich muss weiterpacken. Bis demnächst!
Neues Blogdesign!
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| Joy! - Luca Rossato, CC |
Die Feedly-LeserInnen haben es vermutlich noch nicht bemerkt, aber mein neues Blog-Design ist fertig! Ich freue mich sehr darüber :) Diesmal habe ich mehr Neuerungen eingeführt, denn das Layout ist ganz anders.
Das Logo. So schön, nicht wahr? Ich blieb natürlich der Banane treu, aber das Design finde ich zeitgemäßer und puristischer.
Oben in der Navigationsleiste finden sich unter Kategorien alle Artikel, grob geordnet nach Themen: "Alltag" bezeichnet alle Einträge, in denen es um mich und mein Leben geht, "Kultur" enthält alle Medienkritik, "Politik" ist selbsterklärend genauso wie "Nagelkunst". Ich bin noch nicht ganz durch, alle meine Einträge entsprechend zu kategorisieren, aber das passiert noch.
Weiterhin links sind alle Blogeinträge. Neuerdings könnt ihr Artikel nicht mehr ganz auf der Homepage lesen, sondern müsste auf "Read More" klicken. Das ist auch für mich ganz interessant zu sehen, ob sich die Klickzahlen auf meinem Blog erhöhen. In den üblichen Feedreadern seht ihr nach wie vor den gesamten Artikel.
In der Sidebar gibt es alle Kinkerlitzchen wie meine Social-Media-Accounts, beliebteste Artikel ("Sex mit einer Asiatin" ist ein Dauerrenner - Clickbait deluxe!), das Archiv, der Paypal-Spenden-Button (Spenden immer erbeten) und ganz neu: das E-Mail-Abonnement. Ich bitte um Meldung, wenn das nicht funktioniert.
Seit Bestehen meines Blogs habe ich mir etwa jedes Jahr die Mühe gemacht, alles neu zu designen. Warum? Weil mir Gestalten und Designen einfach Spaß macht und ich sonst nicht dazu komme, Sachen zu gestalten. Vielleicht wäre ich unter anderen Lebensbedingungen Designerin für irgendwas geworden, wer weiß. Heute designe ich allenfalls Texte, was auch schön ist.
Nach fast fünf Jahren Danger Bananas deshalb als Schmankerl ein Screenshot, wie mein Blog anno 2010 aussah:
Hach, wie weit wir gekommen sind. Wahrlich a "blast from the past" :)
SchleFaZ - das schlechteste Fernsehen aller Zeiten, das anti-asiatische Ressentiments bedient
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| Yellowface, Transphobie und Fatshaming gesucht? - SchleFaZ bietet alle drei. |
Blogleserin Maria D. schickte mir den Link zu Oliver Kalkofes Sendung "SchleFaZ - die schlechtesten Filme aller Zeiten", laut Wikipedia eine Satiresendung auf TELE 5, die B-Movies aufs Korn nimmt. In der neuesten Ausgabe von SchleFaZ geht es um einen Eastern: Oliver Kalkofe und sein Partner Peter Rütten sehen sich diesmal einen Hongkong-Klamauk-Streifen an, der im Deutschen den so rassistischen wie dämlichen Titel "Schlitzohr und Schlitzauge - Der Dampfhammer von Send-Ling" trägt. Ich denke, das Problem wird schnell deutlich.
Naekubi auf Tinder Part 2 oder: Warum ich einen Typ mit Yellow Fever datete
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| Tinder Dating. |
Dies ist eine Geschichte darüber, wie ich auf Tinder mich mit einem Typen einließ, der irgendwie einen Asiatinnen-Fetisch hatte. Es ist auch eine Geschichte darüber, wie der eigene Anspruch und die Realität aufeinanderprallen.
"Nein, du machst das falsch! Du musst den Stein mehr aus dem Ellenbogen werfen. Ungefähr so..." Mein Tinder-Date und ich warfen Kiesel in die Isar. Das heißt, wir ließen sie titschern. Er demonstrierte die richtige Technik: Den Ellenbogen eng an der Taille, Handgelenk stabilisiert. Aus der Hüfte heraus bewegte er seinen ganzen Rumpf und gab dem Kiesel ordentlich Schwung. Der flache Stein titscherte heftig über die Isar und klackerte auf die andere Seite des Flusses. Ich versuchte es erneut. Mein Steinchen plumpste nach drei Metern traurig ins Wasser und versank glucksend in der Tiefe. Frustriert und peinlich berührt setzte ich mich ans steinige Ufer.
Ich war auf meinem zweiten Date mit meiner ersten Tinder-Bekanntschaft. Er war groß, schlaksig, hatte wellige Haare und war vor allem: Weiß. Bio-deutsch durch und durch. Um uns herum waren viele Familien und Pärchen, die den letzten schönen Herbsttag nutzten, um an der Isar zu fläzen. Eine Weile schwiegen wir uns an, als ich es nicht mehr aushielt und herausplatzte:
"Bist du eigentlich an mir interessiert, weil ich Asiatin bin?"
Mein Date wirkte überrumpelt ob dieser Meta-Frage und suchte sichtlich nach Worten. Er sagte etwas von "Gesamtpaket", "so wie wenn jemand auf Blondinen steht". Mehr brauchte er nicht zu sagen. Ganz klar, mein Date litt an Yellow Fever, einer Krankheit, die viele Männer (Menschen?) im Westen befällt. Hauptsymptom ist ein starkes Faible für asiatische Frauen.
Symptome für "Yellow Fever" hatte es gleich zu Beginn gegeben. In seinem Profil stand Japanisch als Sprachkenntnis. Außerdem war er einmal mit einer Japanerin verheiratet*. Warum ich mich trotzdem mit ihm traf? Es ist Tinder - Leute treffen sich einfach so. Er schien interessant genug zumindest für ein Date zu sein. Er bestätigte außerdem meine Annahme, dass ich nur interessant für Menschen war, die eine Verbindung zu Asien zu haben. Sei es durch Auslandsaufenthalte, Manga oder K-Pop oder um Reisetipps für den nächsten China-Trip zu bekommen. Aber ganz so einfach ist es nicht.
Pretty Fly for a White Guy
Im Nachhinein ist man immer klüger. Da betreibe ich seit Jahren diesen Blog und kämpfe gegen Stereotype und Rassismus. Ich habe mich immer gegen Yellow Fever und die Sexualisierung von Asiatinnen und die Entmännlichung von Asiaten gewehrt. Und dann ließ ich mich auf jemanden ein, der genau das verkörperte, was im Spiel der zwischenmenschlichen Beziehungen falsch lief. Jetzt zeigte sich, dass frühe Prägungen und Muster aus der Jugend sich nicht einfach mit Lippenbekenntnissen abschütteln ließen.Es ist ein Jammer, wie viel Einfluss Erfahrungen aus Kindheit und Jugend auf uns haben und welche Lügen wir uns über uns selbst erzählen. Etwa, dass anders sein das Gleiche bedeutete wie weniger wert sein. Dass anders aussehen das Gleiche war wie hässlich sein. Dass man dankbar sein musste für jede/n, der/die dich attraktiv fanden. Und dass man gerade als Frau immer freundlich und verständnisvoll sein soll. Und dass weiß sein und weiß sein wollen normal sind.Muss das schön sein weiß zu sein. Das Weiß-Sein ist nie Thema, es ist als Kategorie nicht existent, kurz: Es ist egal. Die wenigsten "Betroffenen" denken sich als Weiße. Sie sind einfach nur Person.
Einfach ist bei mir nichts: In meinem eigenen Bewusstsein spielt sich das Asiatisch-Sein in den Vordergrund. Goethes "Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein" gilt für Leute wie mich nicht. Ich war nie "nur" Mensch.
Manchmal war ich zu wenig. Asiatischsein bedeutete oft nicht vollständig zu sein. Ich war nicht-weiß, nicht-helläugig, fuhr nicht mit meiner Familie in den Urlaub nach Spanien und hatte keine Großeltern, die ständig Kuchen für mich backten.
Manchmal war ich zu viel. Da war etwas an mir, das die anderen entweder gerne hervorhoben oder vollständig ignorierten. Achtlos hingeworfene Bemerkungen von Bekannten, KlassenkameradInnen oder LehrerInnen vereinten sich in meinem Kopf zu einem Bildnis von dem, was sie in mir sahen. Und was ich in mir sehen sollte. "Mach Kung Fu! Sag etwas in deiner Sprache! Deine Nase ist so platt! Deine Haare sind so schön schwarz! Bist du aus China? Du bist so zurückhaltend - liegt das an deiner Kultur?"
So gerne ich mich als "emanzipiert" von diesen Sticheleien und dem Alltagsrassismus sehe, so sehr hatte ich mich daran gewöhnt, dieses Bildnis der anderen für bare Münze zu nehmen. Sich gegen diese inneren Bilder aufzulehnen ist mühsam, eine zugewiesene Rolle zu übernehmen hingegen einfach. Selbst wenn es eine verzerrte, exotisierte Version einer Asiatin ist. Manchmal reflektiert man nicht genug über sich selbst und erwischt einen schwachen Moment. Mr. Yellow Fever war so ein schwacher Moment.
Außerdem: Er war nett genug, dass ich viele rote Flaggen überging. Wie das Noch-nicht-so-ganz-getrennt-von-der-Exfrau. Dass die (Ex-?)Frau Japanerin war. Dass er mich auf eine Geschäftsreise einlud, um im Nachhinein "meinen Anteil" des Hotels zahlen zu lassen (genau abgezählte 16 Euro). Dass er bei unserem zweiten Date mir dozierte, wie ich Kiesel zu werfen hatte. Ich bin vielleicht zu weich, zurückhaltend und zu verständnisvoll, was auch so eine angeblich asiatische Rolle ist: Man sagt zu vielem OK und findet sich in einer Situation wieder, die man nie wollte.
Win some, lose some
Irgendwann im Februar war die Sache vorbei - hätte nicht gedacht, dass mal jemand mit mir per Chat Schluss macht. (Schreckliche Dinge, die man angeblich mal gemacht haben sollte: Entlassen werden, per Chat Schluss gemacht bekommen und einen geliebten Gegenstand verlieren. Alles erledigt.) Gründe gab es keine, ich bin mir sicher, es muss etwas Lächerliches gewesen sein. Der passende Abschluss für eine mittelmäßiges Zwischenspiel.Die ganze Sache war zumindest lehrreich in meiner Selbstvergewisserung. Ich war Asiatin - aber nicht so, wie andere mich haben wollten. Obwohl es nur eine Affäre war, tat das Ende ziemlich weh. Ablehnung mag niemand. Ich hätte mich zurückziehen, Wunden lecken und traurig sein können. Stattdessen tat ich das genaue Gegenteil: Nach einem Tag stürzte ich mich wieder in Tinder. Es sollte das letzte Mal sein.
Fortsetzung folgt...
*Er behauptete, von ihr getrennt zu sein, aber ich bin bis heute nicht sicher, ob dies der Wahrheit entspricht.
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