Unterhaltung am Dritten Advent

"Ich weiß nicht, was ich unseren Brüdern schenken soll." Meine Schwester blickte mich leicht verzweifelt an. "Und warum will denn dein Freund mir etwas schenken? Da muss ich dann doch auch was zurückschenken!" Ihre Verzweiflung wich nun einer gewissen Feindseligkeit.

Ich seufzte. "Also mein Freund mag eigentlich alles, was sehr süß ist. Mit Schokolade oder so liegst du immer richtig."

- "Aber unsere Brüder?!"

- "Puh. Vielleicht Gutscheine?!"

- "Aber wofür denn?!"

Da hatte sie recht. Sicher waren solcherlei getarnten Geldgeschenke recht nützlich. Für den kleinen modeverliebten Bruder im ersten Semester wäre das sicher in Ordnung. Beim älteren Bruder, der Vollzeit arbeitet und als große Leidenschaft nur Filme hat, sich aber diejenigen von Interesse immer sofort kauft, würde es um einiges schwieriger werden.

- "Ach, wir haben auch noch nichts für Papa."

Ich hatte mir wochenlang Gedanken gemacht, war aber auf keine zündende Idee gekommen. Also zählte ich meiner Schwester auf, was nicht infrage kam: "Also Rasierer braucht er keinen, er lässt ja seinen Schnauzer ohnehin stehen. Pflegecremes oder Kosmetik benutzt er nicht, also fällt das weg. Eine neue Bohrmaschine hat er sich eben erst gekauft."

Das Einzige, was mir für meinen Vater einfiel, waren Lippenpflegestifte, Chili-Gummibärchen oder getrockneter Fisch.

Meine Schwester pflichtete mir bei und fügte noch hinzu: "Das ist doch alles doof. Meine Kommilitonen wollen mir was zu Weihnachten kaufen und ich fühle mich dann verpflichtet, etwas zurück zu schenken. Aah, ich hasse dieses schlechte Gewissen."

- "Mir geht es da ähnlich. Man ist schon vom Geschenke einkaufen so fertig und gestresst, dass man sich gar nicht mehr auf die Festtage freuen kann." Ich machte eine kurze Pause und sagte dann:

"Nächstes Jahr schenken wir uns einfach wieder nichts."

- "Genau."

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