2014/04/24

"Ich möchte etwas Zeitloses und Universelles herstellen" - Interview mit Performance-Künstlerin kate hers RHEE


kate hers RHEE traf ich in Berlin auf der korientation-Feier. Ihr Name war mir vorher schon bekannt, weil mir mal jemand ihre Webseite als Tipp zugesteckt hatte. Als Künstlerin beschäftigt sie sich mit Fragen von Identität. Dabei kann sie aus ihrer eigenen vielschichtigen Identität als Koreanisch-Amerikanerin in Deutschland schöpfen.
Anlässlich ihrer Ausstellung in der IBB-Videolounge in der Berlinischen Galerie vom 30. April bis 26. Mai 2014 habe ich sie interviewt und sie ausgiebig zu ihrer Arbeit befragt. An dieser Stelle noch einmal Danke an kate für ihre ausführlichen Antworten!

Portrait of the Artist, armed and grateful ©2011 kate hers RHEE and Jesse Bercowetz

D!B: Erzähl ein bisschen über dich: Wie bist du Künstlerin geworden?
khR: Ich wurde in Seoul geboren und bin in den Vorstädten von Detroit aufgewachsen, habe in Seoul, Detroit, Boston, Irvine, Zürich und Los Angeles in dieser Reihenfolge gelebt und gearbeitet, bevor ich 2009 nach Berlin zog. Insgesamt habe ich an 35 verschiedenen Orten in 15 Jahren gelebt. Deshalb ist es eine Erleichterung, sich irgendwo dauerhaft niederzulassen. Diese nomadische Existenz war zwar aufregend, aber auch atrophisch für meine künstlerische Arbeit und meine körperliche und seelische Gesundheit.

Ich wurde im Jahr des Drachen geboren und bin Widder. Meine Lieblingsfarbe ist Kelly-Grün. Ich habe meinen Führerschein mit 15 gemacht, aber ich kann nur Automatik fahren. Ich habe einen schwarzen Gürtel im Taekwondo seit ich 12 bin, aber damit aufgehört wegen rassistischer Hänseleien.
Obwohl ich Kunst acht Jahre lang studiert und zwei Abschlüsse in Bildender Kunst habe, dachte ich immer, dass ich mal in Museumserziehung oder einer anderen Art von Non-Profit-Arbeit landen würde. Ich habe sehr lange auch während meines Studiums in Kalifornien daran gezweifelt, ob ich tatsächlich als bildende Künstlerin erfolgreich sein könnte. Aber erst mit meinem Umzug nach Berlin entwickelte sich meine Technik und ich fand meine ganz eigene Stimme.

Welche Medien nutzt du am häufigsten und warum?
Ich arbeite mit vielfältigen Medien - es hängt vom Projekt ab und was ich versuche zu erreichen. Ich folge meist einem konzeptionellen Ansatz: Projekt, Prozess und Recherche. Mit dem quasi-wissenschaftlichen Ansatz nähere ich mich analytisch und überlegt. Dennoch finde ich meinen kreativen Prozess ziemlich intuitiv. Schon als kleines Kind begann ich damit, mehrere Medien und Strategien anzuwenden - damals beendete ich nie, was ich begann, ich war schnell gelangweilt und hatte Schwierigkeiten beim Lernen. Später als junge Erwachsene erklärte mir ein Arzt, dass ich vermutlich nah an einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung bin, was aber nie diagnostiziert wurde. Aber ich hatte Glück, dass ich meine Einschränkungen überwinden konnte.

Mein Grundstudium war eine wilde Zeit, weil ich mit Zeichnung, Malerei, Fotografie, Video, Performance, Film, Sound-Kunst, Druck und Skulptur experimentierte. Ich war wie ein Kind im Süßigkeitenladen - ich konnte mich nicht auf eins konzentrieren. Später habe ich mich doch auf Performance fokussiert, weil die meisten meiner Kurse in diesem Institut stattfanden. Als ich meinen Master machte, habe ich hauptsächlich mit Zeichnung und Video gearbeitet. In den letzten Jahren habe ich mich meist mit sozialer Intervention und Performance beschäftigt, die entweder von einer Kamera dokumentiert oder speziell für die Kamera aufgeführt wird.

Eines deiner Hauptthemen ist "transnationale und kulturelle Identität". Was bedeuten dir diese Themen und wie verarbeitest du sie in deiner Kunst?
Wahrscheinlich hatte die Erzählung meines Lebens einen großen Einfluss auf meine künstlerischen und wissenschaftlichen Interessen. Vielleicht bin ich so viel umgezogen, weil ich auf der Suche nach etwas war, etwas, an das ich mich klammern konnte, etwas Vertrautes. Ich habe mich nie richtig zu Hause gefühlt. Transnationalismus und kulturelle Identität sind Themen, an die man täglich denkt, wenn man im Ausland wohnt. Die Themen wurden für mich dort wichtiger, wo meine Identität nicht so einfach kategorisiert werden konnte, etwa in Korea oder hier in Deutschland. Traurigerweise sogar in den USA, wo die asiatisch-amerikanische Bevölkerung gedeiht - politisch stehen wir weiterhin am Rand und werden nie richtig als echte AmerikanerInnen akzeptiert. Anti-asiatische Diskriminierung floriert immer noch.

Natürlich ist es schwierig, sich in der eigenen Kunst politisch zu engagieren ohne belehrend zu sein. Als Produzentin von Kulturgütern bin ich zuallererst Künstlerin. Ich möchte etwas Zeitloses und Universelles herstellen, selbst wenn ich weiß, dass es schwierig ist. Deshalb gehe ich meine Tätigkeit mit viel Neugier, Verspieltheit und Offenheit an. So versuche ich, meinen ästhetischen Anforderungen treu zu bleiben ohne meine gesellschaftliche Verantwortung und theoretische Position zu vergessen. Meine künstlerischen Handlungen betrachte ich als Experimente, die mehr über eine Kultur, eine Sprache, eine Überzeugung verraten. Provokation und Unbehagen können genauso genutzt werden um Neues zu teilen und eine andere Perspektive zu zeigen. Ich denke, es ist möglich, sowohl hohen künstlerischen Wert als auch eine effektive politische Aktion zu erreichen.

7 Drawings, 28 Kisses ©2013 estherka photo credit: Aleks Slota

Hat dein Umzug nach Berlin deine Selbstwahrnehmung, deine Koreanische/Asiatisch-Amerikanische Identität oder deine Identität als Mensch verändert?
Mein Konzept meines Selbst wurde nach meinem Umzug nach Berlin zerschmettert, im positiven und negativen Sinn. Jeder Mensch, der in ein fremdes Land zieht und sich dort dauerhaft niederlässt, muss zweifelsohne seine Selbstwahrnehmung verändern. Meine Arbeit wurde sicherlich mit Ideen von Selbst und Sein besetzt, was offensichtlich durch das Infragestellen meiner Existenz als Fremde in Deutschland befeuert wurde.

Außerdem ist meine Identität als Koreanisch-Amerikanerin oder Asiatisch-Amerikanerisch eine spezifisch amerikanische und mein Anspruch dieser Identität wird in Europa meist nicht besonders akzeptiert oder verstanden. Wobei in den letzten viereinhalb Jahren die Leute verständnisvoller geworden sind und mich nicht mehr in ihre Schubladen stecken.

Eine Sache möchte ich besonders erwähnen, die mir in Europa ziemlich regelmäßig begegnet und die ich kaum beachtet habe, als ich in Los Angeles mit einer großen asiatischen Bevölkerung gelebt habe: Mir fiel viel stärker auf, dass ich als sehr sexualisiertes, objektifiziertes Wesen wahrgenommen werde. Die Schnittmenge meiner Ethnie und meinem Geschlecht befeuert den europäischen Fetisch vom "Anderen". Natürlich gibt es sexuell konnotierte Stereotype auch in den USA, aber ich begegne viel mehr - wie soll ich es nennen - "AnhängerInnen" solcher Stereotype in Europa. In dieser Hinsicht bin ich dankbar, einen POC Partner zu haben.

In deiner Performance "And then there were none." beziehst du dich auf das Kinderlied "Zehn kleine N****lein" sowie auf die Unruhen zwischen Afro-AmerikanerInnen und Koreanisch-AmerikanerInnen. Welche Ähnlichkeiten und Unterschiede siehst du bei Rassismus in den USA und in Deutschland?

Sicherlich gibt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei Rassismus, aber meine Absicht war nicht, das zu vergleichen oder gegenüberzustellen. In "And then there were none." interessierte mich, auf welche komplizierte Art und Weise rassifizierte und gegenderte Körper (re)produziert, reduziert und essentialisiert werden. Die zahlreichen Bedeutungsschichten in der Arbeit sollen die Auffassungen von Kultur- und Geschlechterstereotypen durcheinanderbringen.

Die Position der Asiatin erscheint zunächst passiv und gehorsam zu sein aufgrund ihres stoischen Schweigens, aber dann bemerkt man, dass der Schwarze derjenige ist, der am verwundbarsten ist und sich am unwohlsten fühlt durch seine performativen Küsse. Der implizite Bezug zu den Unruhen in Los Angeles und der Gewalt zwischen der koreanischen und afro-amerikanischen Community wurde nur verständlich, weil ich die Arbeit so formuliert habe , dass sie die Theorie von rassischer Triangulation/Dreiecksmethode zwischen Schwarzen, AsiatInnen und anderen (White Gaze) hervorrufen und mit ihr im Dialog stehen kann. Laut Claire Kim, die diesen Begriff geprägt hat, werden "Asiatische AmerikanerInnen nicht in einem Vakuum rassifiziert, isoliert von anderen Gruppen; im Gegenteil: Asiatische AmerikanerInnen wurden in Relation zu Weißen und Schwarzen rassifiziert. Dadurch sind die jeweiligen Rassifizierungsvorgänge dieser Gruppen eng miteinander verwoben." Der/die BetrachterIn der Arbeit besetzt die vordergründige Standardperspektive, bedingt durch den historischen ethnografischen Rahmen weißer Europäer, aber hier sind sie absichtlich gezwungen, außerhalb dieses Rahmens zu warten, als BeobachterIn, aber nicht als TeilnehmerIn.

Viele deiner Arbeiten machten mich nachdenklich, teilweise waren sie verstörend - auf positive Art. In dem Bewusstsein, dass eine biographische Interpretation jeglicher Kunst  zu kurz greift, und dass Kunst etwas ist, bei dem das Publikum reagieren oder den Sinn herstellen muss: Hast du eine bestimmte Reaktion oder ein Gefühl im Kopf, das du im Publikum auslösen willst, wenn du etwas wie "Ach du heilige Scheiße!" erschaffst?
Der erste Impuls um "Ach du heilige Scheiße!" zu machen kam instinktiv. Die Sätze kamen mir so schnell wie ein Gedicht, fast mühelos. Das Werk hat sich unbewusst in meinem Kopf in einigen Monaten geformt. Ich war gerade dabei, "das deutschsprachliche Projekt Teil 2" zu erstellen, ein Sprachlern-Blog und eine soziale Intervention die versucht, AusländerInnen Schimpfwörter "beizubringen" damit sie sich integrieren können. Erst später stellte ich fest, dass das sehr strategisch gedacht war, eine Form von Lernen oder Unterhaltung wie Lehrvideos oder Karaokevideos zu nutzen um hasserfüllte Sprache zu destabilisieren und zu entmachten. Deutsche können durchaus über schwierige Themen wie Rassismus und Sexismus reden, wenn sie lachen.

Derzeit bereitest du deine nächsten Ausstellungen in Berlin vor - könntest du ein bisschen mehr dazu sagen?
Danke, dass du fragst. Einige meiner Performance Video-Arbeiten werden einen Monat lang in der 12x12 IBB-Videolounge in der Berlinischen Galerie im Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur gezeigt. Im Moment bereite ich mich auf eine Abendausstellung vor die am 6. Mai in der Marianne Bar stattfinden wird. Konstanze Hanitzsch, Angie Tsaros und Konstanze Schmitt organisieren sie im Rahmen der Queer Salon Serie.

Gibt es KünstlerInnen, die du bewunderst und die dich inspirieren?
Als junge Studentin wurde ich sehr stark beeinflusst von den Werken von Ana Mendieta, Adrian Piper, Teh Ching Hsieh und dem Theoretiker Edward Said - ich sehe immer noch ihren Einfluss auf mein Werk, selbst zwanzig Jahre später. Mich inspirieren auch die KünstlerInnen Shirin Neshat, Aktivistin Grace Lee Boggs, und die Wissenschaftlerin Rey Chow. Ich liebe das American National Public Radio und höre mir regelmäßig die Podcasts an: Planet Money und Freakonomics, für meine popkulturelle Dosis an sozialer Verhaltensökonomie. Soziale Verhaltensökonomieforschung und -kommentare spielen eine große Rolle darin, wie ich meine sozialen Interventionen begreife. Eine Weile war ich regelrecht süchtig nach der Rachel Maddow Show, einer amerikanischen News- und Politikkommentar-Sendung im Fernsehen, aber ich verzichte inzwischen darauf um mein Deutsch zu verbessern.

Danke für das Interview!

*In der Performance sitzt eine Asiatin einem Schwarzen Mann gegenüber. Sie trägt eine Art "Zaumzeug" aus dem BDSM-Bereich, der ihren Mund immer offen hält. Er steckt ihr Schokoküsse in den Mund und isst sie von ihrem Mund weg, was aussieht wie ein Kuss. Je länger die Situation geht, desto unangenehmer wird es. Anm. D!B

2014/04/23

[Tag:] Meine fünf Buchvorsätze 2014




Das Jahr ist schon wieder zu einem Drittel vorbei und da komme ich daher mit meinen Buchvorsätzen für 2014. Schlecht getimet, aber das ist dem Ali Schwarzer anzukreiden, der mir dieses Stöckchen erst vor ein paar Tagen zugeworfen hat. Praktischerweise ist heute Welttag des Buches, also passt das doch wieder ^^

Gefragt wurde nach den fünf Büchern, die ich dieses Jahr noch lesen will. Bedingung: Sie dürfen keine Fortsetzungen von Büchern sein, die ich schon gelesen habe. (Gut für mich - außer Star Wars-Romanen in meiner Jugend habe ich weder Die Tribute von Panem noch 50 Shades of Grey noch Harry Potter gelesen *gasp* *sakrileg!*)

Hier also meine Liste. Mal sehen, ob wir auf Fünf kommen...

Jane Eyre. An Autobiography - Charlotte Bronte

Das Schöne an kanonischer Literatur ist ja, dass Spoiler egal sind, denn diese sogenannte "gute Literatur" hat wohlweislich den Test der Zeit bestanden und sollte daher auch noch nach 200 Jahren  unterhaltsam sein, selbst wenn man weiß, wie es endet. Mal abgesehen davon: Warum sind Romane und Filme sowie Serien heute so gestaltet wie klassische Krimis? Sobald der Mörder bekannt ist, kann man das Ding in die Ecke werfen. Man sollte meinen, dass die Figurenkonstellationen und Situationen ausreichend Spannung liefern, damit nicht die gesamte Last des Werks von der Longitudinalspannung getragen werden muss. Aber nein. Ganze Serien können durch ein schlechtes Finale komplett entwertet werden.
Warum Jane Eyre*? Ich gucke Crashcourse Literature 2 auf Youtube (mit John Green, dem Autor von "The Fault in our Stars", im Deutschen mit dem Titel "Das Leben ist ein mieser Verräter" geschlagen gesegnet), wo dieses Buch besprochen wurde. Es klang ausreichend interessant. Außerdem hatte ich ohnehin eine Lücke, was klassische englische Literatur anbelangt.

Handbuch für Zeitreisende - Charles Yu

Erinnert sich jemand noch an meine kurzlebige Serie "Lesen im Bananenhain"? Sie ruht derzeit, unter anderem weil der letzte Roman so zäh zu lesen war. Dieser letzte Roman nennt sich "Handbuch für Zeitreisende*". Charles, der Ich-Erzähler, ist Tech-Support für Zeitmaschinen, auf der Reise irgendwo zwischen Raum und Zeit und auch sonst eine eher verlorene Persönlichkeit. Ich habe das Buch angefangen, aber bin irgendwann in technischen Beschreibungen zur Funktionsweise dieser Zeitkapseln versandet.

Crazy Rich Asians - Kevin Kwan

Ein Buch aus dem Bereich "moderne asiatische Literatur": Crazy Rich Asians* behandelt das fabelhafte Leben dreier reicher chinesischer Familien in Singapur. Die Geschichte dreht sich um die in Amerika geborene Chinesin Rachel Chu, die die Familie ihres Freundes auf der Halbinsel besucht. Doch anstatt einem bescheidenen Heim landet sie in einem der reichsten Haushalte in Asien. Hilarity ensues. Ohne das Buch bisher gelesen zu haben, erwarte ich von diesem Debütroman eine unterhaltsame, nicht allzu tiefgehende Komödie - das geschriebene Äquivalent zu jeder Rom-Com ever.

Im Kielwasser - Per Petterson

Ich mag Gratiskram - wer nicht? Meistens geht das im Alltag ja nicht über Cremepröbchen in Frauenzeitschriften hinaus, manchmal beschenkt einen das Schicksal auch mit Büchern. Mir letztens passiert mit dem Band Im Kielwasser* von Per Petterson. Der Roman lag ausgemustert in der Stadtteilbücherei, zum Mitnehmen für umsonst. Und ich wäre nicht ausreichend Asiatin/Vietnamesin, wenn ich es liegen gelassen hätte. Das Buch passt insofern, als ich mal Skandinavistik studiert habe (Norwegen, du wirst schmerzlich vermisst. Bis auf deine Küche. Ehrlich, wie kann fiskekake eine gute Idee sein?) Soweit ich gesehen habe, geht es um disfunktionale Familien, ein Thema, das uns alle betrifft. Denn mal ehrlich: Welche Familie ist bei genauem Hinsehen nicht auf die eine oder andere Weise disfunktional?

Ein Roman von einer Frau, in dem es nicht um Liebe geht - N.N.

In dieser Rubrik nehme ich gerne Tipps an. Wenn man nach Literatur von Frauen sucht, bekommt man neben Klassikern meist nur Liebesromane empfohlen. Ich lese hin und wieder durchaus gerne einen Liebesroman, aber ernsthaft: Das kann doch nicht das Einzige sein, was Frauen interessiert? Oder funktioniert das Verlagswesen nach wie vor so, dass kluge, unterhaltsame Bücher von Frauen über andere Themen als Liebe weniger verlegt, gedruckt und vertrieben werden? Schließlich lesen Frauen auch Sach- und Ratgeberbücher, Thriller und Krimis.
Vielleicht handelt es sich hier um einen Teufelskreis: Verlage gehen davon aus, dass Frauen sich als Leserinnen und Autorinnen hauptsächlich für gefühlige Themen interessieren, also werden gerade solche Bücher gemacht und "für Frauen" vermarktet. Frauen nehmen diese Bücher, weil "für Frauen", und steigern damit die Verkaufszahlen für solche Literatur. Was dazu führt, dass die Annahmen des Verlags bestätigt und mehr Frauen mit diesem Autorinnenprofil verlegt und beworben werden.

Wie es üblich ist, tagge ich folgende Personen (falls ihr keine Blogs pflegt, lese ich auch gerne auf Twitter eure Zu-lesen-Liste):

@robin_urban
@Hirn_Sieb
@hanhaiwen
@SasaKiar
@baum_glueck
@puzzlestuecke
@_accalmie
@fasel


*Man möge mir die Affiliate Links verzeihen.

2014/04/22

Veranstaltungstipp: Sonnenblumenhaus - ein dokumentarisches Theaterstück


Wer dieses Wochenende noch nichts vor hat und/oder in Hamburg weilt, kann sich im Museum für Volkerkunde (Rothenbaumchaussee 64) das dokumentarische Theaterstück "Sonnenblumenhaus" von Dan Thy Nguyen und Iraklis Panagiotopoulos ansehen.

Thema sind die rassistischen Ausschreitungen, die in Rostock-Lichtenhagen im Jahr 1992 vor den Augen der Welt abliefen und gegen die nichts unternommen wurde. Es waren die bislang schwersten Angriffe gegen Menschen anderer Herkunft in der Nachkriegszeit und hätte aufgrund der massiven Gewalt und dem Versagen von Behörden und Medien den Namen Pogrom verdient.

Das Bild des besudelten Deutschen in Jogginghose mit Hitlergruß ging damals um die Welt - aber was ist darüber hinaus passiert? Wer hat die Opfer zu Wort kommen lassen?


Zitat aus der Pressemeldung:

"Hunderte rechtsextreme Randalierer und bis zu 3.000 applaudierende Zuschauer belagerten die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber und ein Wohnheim für vietnamesische Gastarbeiter. Auf dem Höhepunkt der Ausschreitungen zog sich die Polizei sogar völlig zurück und überließ die Belagerten schutzlos dem brennendem Haus.

Das Theaterstück „Sonnenblumenhaus“ dokumentiert die fremdenfeindlichen Ausschreitungen aus dem Jahr 1992 und verarbeitet die Sicht der belagerten Menschen, welche, selbst nach zwanzig Jahren kaum erhört worden sind. Ein transnationales Team geht auf die Suche nach betroffenen Zeitzeugen und befragt sie nach ihrer Version der Geschichte, ihren Lebenserfahrungen und Träumen und gibt Ihnen im Rahmen der Theaterperformance „Sonnenblumenhaus“ endlich eine Stimme.

Dies ist eine Performance von Dan Thy Nguyen und Iraklis Panagiotopoulos. Mit Jan Katzenberger, Claudiu Draghici, Djamila Manly- Spain.

Sa 26. April | 20 Uhr (Premiere)
So 27. April |19 Uhr
Eintritt: € 12 | € 9


Mo 28. April | 9.30 Uhr &11.30 Uhr
Eintritt: Eine symbolische Spende von 1-2 Euro

 
Zur Veranstaltung geht es hier
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Ich war damals noch sehr jung und habe die Ausschreitungen nicht direkt mitbekommen. Aber ich erinnere mich noch, wie meine Eltern mich vor Neonazis gewarnt haben. Das Traurige war, dass viele vermeintlich "normale" Leute dabei mitgemacht oder die Ausschreitungen begrüßt haben. 

Those who cannot remember the past are condemned to repeat it. (George Santayana)
Those who do remember the past are condemned to watch helplessly while others repeat it. (Das Internet)