2014/04/14

Naekubis Presseschau am 14. April

Früher gab es hier die Rubrik "Presseschau", in der ich Medienerzeugnisse einer mehr oder minder kritischen Betrachtung unterzog. Ich habe mich entschlossen, die Rubrik wiederzueröffnen - diesmal aber als Überblick über News aus Asien und von asiatischstämmigen Personen. 

Dokumentation "Tomorrow You Will Leave" 

Ein vietnamesischer Österreicher namens Martin Nguyen hat eine Doku gedreht über die Flucht seiner Familie, die als Boat People über Pulau Bidong nach Österreich in ein kleines Dorf kamen. "Tomorrow You Will Leave" begleitet Martins Vater auf der Suche nach einem Polizisten namens "Ali", der ihm damals im Lager geholfen hat.
Aufmerksame LeserInnen werden sich daran erinnern, dass auch meine Eltern in der "Hölle von Pulau Bidong" gestrandet sind, einem der schlimmsten Flüchtlingslager in den späten Siebzigern/frühen Achtzigern.

http://unser-vietnam.de/index.php/unterhaltsames/unterhaltsames/videos/10257-tomorrow-you-will-leave-martin-nguyens-neuer-dokumentarfilm

Der Mann hinter Flappy Bird

Flappy Bird ist tot, es lebe Flappy Bird. Was viele nicht wissen: Der Programmierer des süchtig machenden Spiels ist Vietnamese: Dong Nguyen hat das Spiel aus einer Laune heraus gemacht - und wurde vom Erfolg förmlich überrollt. Warum er schließlich den Stecker gezogen hat, erklärt er im Interview mit dem Rolling Stone Magazin. Ich ziehe meinen Hut vor diesem unabhängigen Geist:

http://www.rollingstone.com/culture/news/the-flight-of-the-birdman-flappy-bird-creator-dong-nguyen-speaks-out-20140311

Vietnamesische Frauen in Südkorea

Wozu die Verachtung von Frauen führt, zeigen (leider) viele asiatische Länder. In China und Südkorea gibt es durch die Bevorzugung von Jungen inzwischen signifikant mehr Männer als Frauen. Das birgt Probleme gerade auf dem "Heiratsmarkt": Deshalb suchen sich beispielsweise immer mehr koreanische Männer ihre Frauen im Ausland - unter anderem in Vietnam. Die Frauen wiederum erhoffen sich die Flucht aus Armut und "einen Mann, der sie nicht schlägt". Wie (oder ob) das funktioniert, hat Khue Pham für Zeit Online in einer Reportage aufgeschrieben:

http://www.zeit.de/2014/15/suedkorea-vietnam-frauen-heiratsvermittlung

Asiatisch-amerikanische Reality-Show auf Myx TV

Hurra, Trash TV für jede Zielgruppe! Auch wenn ich kein Fan von Reality TV bin, ist das doch eine Meldung wert: Myx TV, ein multikultureller Asian-American TV-Sender produziert eine Reality Show über Asian-Americans. Premiere der Sendung ist am 23. April. (Gab es in Deutschland nicht mal auf Viva oder so eine Reality Show über eine türkischstämmige Clique? - Weiß jemand, wie die hieß?)
Einen Trailer gibt es auf der Seite von Variety:

http://variety.com/2014/tv/news/asian-american-channel-myx-tv-to-debut-first-original-reality-series-exclusive-1201154445/ 

2014/04/12

Update zum Heimathafen Neukölln - Facepalm Deluxe



Auf der korientation-Feier in Berlin gab es ein Update zur Situation am Heimathafen Neukölln. Wie ich berichtet hatte, war in einer Ausstellung das Bild einer blonden Frau zu sehen, die im "I love Neukölln"-T-Shirt Schlitzaugen zog. Nachdem nur zögerlich auf Beschwerdebriefe eingegangen wurde, hat ein Aktionsbündnis einen offenen Brief aufgesetzt, um dagegen zur protestieren. Das fragliche Bild wurde zwar nach einigen Tagen entfernt, bis auf halbherzige E-Mails an die Beschwerenden kam aber keine ausreichende Entschuldigung oder ein gangbares Gesprächsangebot.

Was die ganze Sache noch delikater machte: Der Heimathafen Neukölln versteht sich selbst als ein Begegnungsort für verschiedene Kulturen. Dann aber AsiatInnen zu beleidigen, unterstreicht meine Ansicht, dass rassistische Gedanken auch bei vermeintlich progressiven Menschen vorkommen können. Auf Zeit Online wurde im Zuge dieser Affäre ein Bericht über Alltagsrassismus gegen AsiatInnen auf die Seite gestellt.

Die Geschäftsführerin als Täterin

Der öffentliche Druck nahm zu, besonders dann, als einigen BetrachterInnen auffiel, dass die Person auf dem rassistischen Foto eine extreme Ähnlichkeit mit der Geschäftsführerin Stefanie Aehnelt (Foto etwa in der Mitte der Webseite) hat. Als auch die Berliner TAZ deswegen nachfragte, ging es mit der Entschuldigung plötzlich ganz schnell. Am Mittwoch, den 19. März veröffentlichte der Heimathafen Neukölln eine Entschuldigung auf ihrer Webseite. Die TAZ berichtete schließlich von dem Fall.

Dennoch ließ es sich ein Aktionsbündnis nicht nehmen, am Samstag, den 22. März am Heimathafen Neukölln aufzulaufen. Die Beschwerdebriefe wurden vorgelesen, es wurden Flyer verteilt und BesucherInnen bei einer zu diesem Zeitpunkt laufenden Veranstaltung im Foyer angesprochen. VertreterInnen des Heimathafen Neukölln wollte sofort eine Aufarbeitung im Foyer starten, was jedoch abgelehnt wurde. Im Gespräch sagte mir Kien Nghi Ha, der den Protest mitorganisiert hatte, dass das für den Heimathafen Neukölln sicherlich bequem gewesen wäre: die Aufarbeitung in diesem informellen, sehr kleinen Rahmen zu halten, um so weiteren Aufruhr zu vermeiden.

Noch steht ein fester Termin für die Aufarbeitung aus, aber das Aktionsbündnis wird den Heimathafen Neukölln sicherlich daran erinnern. Von Stefanie Aehnelt selbst kam bislang keine persönliche Entschuldigung - als die Mitteilung des Heimathafens veröffentlicht wurde, befand sie sich im Urlaub.

Zumindest lässt sich eines sagen: Der Heimathafen Neukölln hat sich ein ziemliches Eigentor geleistet.

Das Bild musste ich reaktivieren. Facepalm of the week.

2014/04/07

"Lachen bringt die Leute enger zusammen" - Interview mit Regisseurin Christine Yoo



Nachdem ich die letzten Tage so viel über asiatische Repräsentation gestritten habe, kommt jetzt wieder etwas leichteres (wir haben uns das verdient). Weil Frühlingszeit auch Hochzeitszeit bedeutet - zumindest war so das Motto aus meinen Tagen in der Hochzeitsbranche - passt der Film Koreanische Brautschau (engl. Wedding Palace) ideal. Seit 31. März ist der Film bei uns im iTunes-Store (auch in Österreich) und auf Google Play sowie überhaupt in Amerika, Europa und Australien. In die Kinos kommt der Film demnächst in Asien.

Die Regisseurin Christine Yoo war so freundlich, mir ein Interview zu geben. Ich habe sie befragt zum Film (spoilerfrei), zu früheren und zukünftigen Projekten und ihre Gedanken über asiatische Repräsentation in westlichen Medien.


D!B: Könntest du uns ein bisschen etwas zu dir erzählen? Wie wurdest du Filmemacherin und welche Projekte hast du in der Vergangenheit gemacht?
CHY: Ich komme eigentlich aus den Bereichen Musik und bildende Kunst. Bevor ich bei Koreanische Brautschau Regie geführt habe, arbeitete ich als Screenwriter und war außerdem Schreiberin bei Afro Samurai, einer fünfteiligen Animeserie mit Samuel L. Jackson in der Hauptrolle. Das war eine amerikanisch-japanische Koproduktion für FujiTV/SpikeTV. Davor habe ich in der Postproduktion gearbeitet für Werbung und Fernsehen.

Skype-Date mit Na Young (Kang Hye-jung)

Wie würdest du Koreanische Brautschau beschreiben (am besten ohne Spoiler)?
Man hat Koreanische Brautschau als koreanische Version von "My Big Fat Greek Wedding" beschrieben. Es handelt sich um eine Komödie über eine relativ normale Situation eines jungen koreanisch-amerikanischen Mannes, der von seiner Familie gedrängt wird zu heiraten. Wegen einem alten Familienfluch, der noch aus der Joseon-Dynastie (die Zeit von 1392 bis 1897, vor der Annexion durch Japan, Anm. der Verf.) stammt, nimmt seine Großfamilie die Situation sehr ernst. Als Jason (gespielt von Brian Tee, bekannt aus Wolverine und als DK in Fast & Furious 3: Tokyo Drift) die Liebe seines Lebens in Korea trifft, gehen sie eine Fernbeziehung über Skype ein. Als sie nach Los Angeles kommt um ihn zu heiraten, ist er erst einmal überrascht: Sie ist nämlich nicht so, wie sie online erscheint. Was folgt, sind Konflikte mit der Familie und seinen eigenen Gefühlen.

Wie kam es zu Koreanische Brautschau? Gab es ein bestimmtes koreanisch-amerikanisches Ereignis, das den Film inspiriert hat?
Meine Familie hat den Film inspiriert. Sie sind zwar nicht so wie die Figuren im Film, aber die Vorstellung von einer eng verzahnten Familie, die sich in all deine Angelegenheiten einmischt gab den Ausschlag. Ich wollte einen Film drehen, der meiner Meinung nach das Leben von Koreanisch-AmerikanerInnen und ihre Verbindungen zu Korea widerspiegelt. In Hollywood ist es ja so, dass es nur wenige Rollen gibt, die von AsiatInnen dargestellt werden. Koreanische Brautschau lädt ZuschauerInnen in das Leben ihrer koreanischen/asiatischen NachbarInnen ein. Und hoffentlich können alle gemeinsam darüber lachen. Lachen ist wie Musik und bringt die Leute enger zusammen.


Skype-Date mit Jason (Brian Tee)

Was ist das Besondere an koreanischen Hochzeiten? Gibt es Bräuche, die mehr oder weniger zwingend notwendig sind?
Die Art von Hochzeit, wie sie in Koreanische Brautschau gezeigt wird, ist vielleicht ein wenig altmodisch im Vergleich zu den Hochzeiten, die heute in Korea populär sind, aber der Stil wurde auf jeden Fall angeregt von vielen Feiern, auf denen ich war. Als ich auf der Hochzeit meiner Cousine in Seoul war, haben mich die Spotlights, die Nebel- und Seifenblasenmaschinen sehr gereizt. Ich fand es toll und wollte das sofort filmen!
Mir gefällt auch der traditionelle Aspekt von koreanischen Hochzeiten, genannt "paebaek". Das ist eine konfuzianische Zeremonie, bei der das junge Brautpaar seinen Eltern und einander Respekt erweist. Braut und Bräutigam tragen traditionelle koreanische Gewänder und es gibt viele symbolische Gerichte, alles ist sehr bunt und eine wunderschöne Feier der Tradition.

Wie war bisher die Reaktion des Publikums in den USA und international?
Bisher sehr positiv. Viele Leute haben mir erzählt, dass sie laut lachen mussten und sogar, dass der Film zu ihrem Lieblingsfilm geworden ist! Die Hollywood-Industrie ist der Meinung, dass Komödien schwer an ein internationales Publikum zu vermarkten ist, aber das ist mit Koreanische Brautschau bisher nicht der Fall. Wobei ich sehr neugierig darauf bin, wie Deutsche und Europa allgemein reagieren werden! Bitte gib mir Bescheid!! :) (Anm. d. Verf.: Ja, das werde ich.)

hinten v.l.n.r.: Peter Kim, Gred Paik, Angela Oh, Charles Kim, Brian Tee, Connie Kim;
vorne: Hee-jung Park, Youngjoo Ko, Bobby Lee, Joy Osmanski, Julia Cho, Kelvin Han Yee, Nancy J. Lee


Eine allgemeinere Frage: Wie bewertest du die Situation des asiatisch-amerikanischen Kinos? Welche Hoffnungen hast du wenn es um Repräsentation von AsiatInnen in westlichen Medien geht?
Es ist ermutigend, dass Equipment leichter und besser verfügbar ist - das steigert die Produktion. Aber vor uns liegt noch ein Berg an Arbeit.
Ich für meinen Teil hoffe, dass mehr ZuschauerInnen Koreanische Brautschau annehmen werden, weil es mein Debütfilm ist. Je mehr Erfolg er hat, desto leichter wird es, den nächsten Film herauszubringen.

Jetzt, wo Koreanische Brautschau weltweit läuft: Arbeitest du schon an neuen Projekten? Könntest du ein bisschen was dazu erzählen?
Ich stecke gerade in der Postproduktion für eine Dokumentation namens "KPOP Brings Peace to the Middle East", die in Israel, Palästina und Korea gedreht wurde. Es geht darum, wie Israelis und PalästinenserInnen Freundschaften schmieden durch ihre Leidenschaft für K-Pop (koreanische Popmusik, Anm. d. Verf.). Im Kontext des Konflikts in der Region regt K-Pop einzigartige Geschichten und Stimmen an über Themen wie Identität, Anstrengungen und den Wunsch, sowohl inneren wie auch äußeren Frieden zu finden.

Das klingt extrem spannend. Vielen Dank für das Interview!

Weitere Informationen:


Offizieller Trailer: http://youtu.be/F-m4OaIGmuM
Behind the Scenes Dokumentation von KBS (Korean Broadcasting System)
Offizielle Behind the Scenes Dokumentation