2014/07/10

Die Japan-Dult in der Glockenbachwerkstatt



Das Wochenende kommt mir schon wieder so ewig lang her vor... Da das Wetter so gut war, habe ich die sogenannte Japan-Dult in der Glockenbachwerkstatt besucht. Eine Dult ist, so weit ich das verstanden habe, eine Art Jahrmarkt. Die Japan-Dult am vergangenen Wochenende war die bisher Dritte - es fand bisher jeweils im Sommer und im Winter eine Dult statt. Es macht auf jeden Fall mehr Spaß bei schönem und warmem Wetter.

Die Japan-Dult war sehr gut besucht.
Wer die Japan-Dult noch nicht kennt: Es ist eine Art Markt mit dem recht losen Thema "Japan". An den Ständen findet man vor allem Selbstgemachtes oder Kunsthandwerkliches in kleinen Stückzahlen mit mehr oder weniger viel Japan-Bezug.Anders als zum Beispiel das Japanfest am Teehaus im Englischen Garten ist die Dult eher etwas alternativer (aber auch "deutscher") geprägt, was Stände und Publikum anbelangt: Es gibt japanische VerkäuferInnen und Kulturschaffende genauso wie deutsche, die BesucherInnen sind nicht nur JapanerInnen, sondern zum Großteil Japan-Interessierte.



Japan-Begeisterte scheinen sich in etwa zwei Hauptgruppen aufzuteilen: Zum einen die popkulturell Interessierten, die sich mit Mangas, Anime und Popmusik beschäftigen. Zum anderen gibt es die bildungsbürgerlich geprägten, die sich Shakuhachi-Konzerte anhören, japanisches Bogenschießen mögen oder eine Schwäche für klassische Tätigkeiten wie Ikebana haben. Ich gehöre irgendwo in die Mitte zwischen diese beiden Gruppen.

Shakuhachi-Spieler in traditioneller Kleidung.

Für Verpflegung war, wie bei solchen Veranstaltungen, gesorgt: Eine japanische Konditorin verköstigte BesucherInnen mit niedlichen Tarteletts, der Duft von grüner Zuckerwatte mit Kirschblütenaroma lag in der Luft und gleich am Eingang fanden Onigiri (gefüllte Reisecken mit Nori umwickelt) reißenden Absatz. Die Küche kam mit dem Herstellen gar nicht mehr nach und nach zwei Stunden Dult war der Stand von Monigiri das erste Mal ausverkauft, so Robert von Monigiri.

Die Reisecken waren auch der Grund, warum ich überhaupt zur Dult gegangen bin. Mit den Betreibern von Monigiri wird es noch ein Interview hier geben, vorab durfte ich den Herstellungsprozess beobachten (danke für die Einblicke!):

Bavaria meets Japan: Onigiri mit eingelegten Radieschen.


Bei der Gelegenheit habe ich auch noch etwas gekauft: Eine Handytasche aus japanischem Kimono- und Baumwollstoff mit einer Art Schnappverschluss. Bisher hatte ich für mein Fairphone nämlich noch keine adäquate Verpackung. Diese Lücke ist jetzt geschlossen. Gratis dazu gab es eine Ausgabe des Dawanda-Magazins.



Wie ihr seht, bin ich meinem Lieblingsfarbschema Blau treu geblieben.

2014/07/08

Nail Artsy: inspired by Toko Shinoda

"Sie haben sich ja schon die Deutschlandfahne lackiert! Meine Tochter auch!" sagte mein Hausarzt. Äh, nein. Die Farben und das Motiv scheinen unglücklich gewählt zu sein. Auf keinen Fall schwebte mir die Deutschlandfahne vor, als ich mir die Nägel lackierte. Sondern das Bild "Reminiscence" von Toko Shinoda von 2005. Ihr Stil erinnert an klassische Tuschezeichnungen und Kalligraphie, die Formen sind für mich an die abstrakte Kunst der klassischen Moderne angelehnt.


Nach all den superkomplexen Motiven, die ich aufgemalt habe, verlor ich die letzten Wochen tatsächlich die Lust am Lackieren und lief quasi nackt herum. Manchmal war ich auch einfarbig unterwegs, was sich aber irgendwie noch unbefriedigender anfühlte. Um wieder reinzukommen, habe ich dieses scheinbar simple Motiv gewählt. Abstrakt und reduziert.





Manchmal ist weniger tatsächlich mehr. Es ist tatsächlich schwierig, mit einem Nagellackpinsel die Ästhetik von Tuschezeichnungen nachzuahmen. Ein Kalligraphiepinsel ermöglicht mehr Kontrolle und Tusche ist längst nicht so dickflüssig wie Lack.


Auf dem Mittelfinger habe ich eine neue Technik getestet. Beim Distressed-Lackieren malt man mit fast trockenem Pinsel mit mehreren Farben übereinander. So entsteht dieser leicht zerstörte Look. 


Ich habe meinen Arzt über seinen Irrtum übrigens nicht aufgeklärt. Manchmal ist weniger mehr.

2014/06/30

Eine Liebeserklärung*

Es gibt Begegnungen, die sind so besonders, so schön, dass sie das Potenzial haben, zum Eckstein einer Persönlichkeit zu werden. Sie haben die Macht, einen Menschen neu zu definieren, ihn an das Gute im Leben glauben zu lassen. Sie hauen dich von den Socken, ziehen dir den Boden unter den Füßen weg. Schmetterlinge im Bauch, alles dreht sich, die ganze Welt ist schön. Und wenn die langen hellen Sommernächte in die Stadt kommen, ist es schnell um einen geschehen.

Ich habe dich erst vor drei Wochen kennengelernt, aber mir kommt es vor, als kennen wir uns schon seit Jahren. Verdammt, wo warst du nur mein ganzes Leben lang? Plötzlich wird alles bedeutungslos, was ich davor gesehen und erlebt habe. Denn du hast mein Herz im Sturm erobert. Ich weiß - große Worte für jemanden wie mich, die versucht, romantische Gefühle und Pathetik außerhalb ihres Blogs zu lassen. Aber ich kann nicht umhin, dir ein Hohelied der Verehrung zu singen. Denn das hast du dir verdient. Deshalb:

Ich liebe dich, Community.


Zunächst war ich unschlüssig, ob ich mich auf dich einlassen sollte. Ich fühlte mich leer, wollte kein Vertrauen fassen. Nicht nach all dem, was ich in der Vergangenheit mit anderen Serien mitgemacht hatte. Warst du wieder nur so ein Idiot, der mich dann nach drei Sätzen enttäuschen würde? Mich mit Dummheit und Durchschnitt quälen würde, wenn der Effekt des Neuen sich abgenutzt hätte? Würdest du einfach nur mehr von demselben anbieten?

Wir verbrachten lange Nächte miteinander, du hattest so viel zu erzählen. Es schien, als müsste ich fünf Jahre im Schnelldurchlauf nachholen. Du erzähltest in einem Tempo, mit einer Begeisterung und einem Witz, die mich mitriss. Ich war von dir hingerissen. Deine Fantasie und dein Einfallsreichtum - ich seufze selig, wenn ich nur daran zurückdenke. Tag und Nacht dachte ich an dich, lachte in Gedanken über deine Sprüche. Du machtest mich glücklich.

Natürlich blieben mir auch deine Schwächen nicht verborgen. Je länger ich mit dir zu tun hatte, desto deutlicher wurden mir deine Schwächen bewusst. Mitunter warst du sexistisch, mitunter rassistisch, homophob, manchmal bewegtest du dich am Rande des Wahnsinns guten Geschmacks. Ob das notwendig war, um dich über Sexismus, Rassismus und Homophobie lustig zu machen? Auch wenn ich vieles davon nicht gutheißen konnte: Ich konnte dir nicht böse sein, du brachtest mich zum Lachen und ich sah über deine Schwächen hinweg. Du hattest einen Cast, vielfältiger, als ich es gewohnt war. Du hattest gut geschriebene Figuren, die alle ihre Stärken und Schwächen hatten.

Selbst dein "Held", ein weißer, heterosexueller Mann (konventionell attraktiv) stand nie so im Mittelpunkt, dass alle anderen zum Hintergrundrauschen degradiert wurden. Mir gefiel, dass romantische Beziehungen möglich waren, aber nicht zwangsläufig geschehen mussten. (Warum können in Sitcoms eigentlich nur Pärchen im Main Cast entstehen?) Du hattest tonnenweise Fanservice, überbordende popkulturelle Referenzen, deine ironische, post-moderne Haltung zu dir selbst fand ich unglaublich anziehend. Und hey, wer ist schon perfekt? Du nicht. Ich nicht. Niemand.

Doch wie alle guten Dinge musste auch unsere Beziehung enden, denn dein Sender NBC zog nach fünf Staffeln den Stecker. Du verließt mich so schnell, wie du in mein Leben getreten warst. Noch ehe ich ein verzweifeltes, überdramatisches "Noooooiiiiin!!!!" schreien konnte, verschwandest du aus dem Äther. Ich wusste bereits zum Anfang unserer Beziehung, dass das Ende absehbar war, dass du eine zum Tode verurteilte Serie warst. Dass es nur ein Gastspiel werden würde. Eine kurze Sommerliebe. Und dennoch: Ich möchte keinen Augenblick unserer Begegnung missen. Niemals würde ich unsere Zeit zusammen bereuen. Auch wenn du mich verlassen musstest und mich mit gebrochenem Herzen zurückließt.

Jetzt bleibt mir nichts anderes übrig, als bei Staffel 1, Folge 1 anzufangen und traurig zu sein. Das ist mehr eine Totenrede als ein Liebesbrief, ich stehe an deinem offenen Grab und nur die zahlreichen Gifs auf Tumblr können meinen Schmerz lindern. Manche behaupten, du könntest irgendwo im Netz fröhliche Urständ' feiern. Bei Netflix oder Hulu. Heute ist der Tag, an dem in den USA klassischerweise die Schauspielverträge auslaufen und sie dann frei sind, andere Engagements einzugehen. Deine Galgenfrist läuft also ab und bislang war noch nichts zu hören. Ich möchte meine Hoffnungen nicht zu hoch setzen. Community, ich werde dich nie vergessen.  

#sixseasonsandamovie




*Ok, das war jetzt alles übertrieben, aber ich mochte die Serie wirklich. Ich glaube, seit Scrubs gab es keine Serie mehr, die ich wirklich so genossen habe. Die meine Familie (lies: meine Geschwister) vereinen konnte (meist, weil ich keinen Bock hab, Serien zu gucken. Wahrscheinlich, weil ich extrem anhänglich werde, wenn mir was gefällt). Inzwischen empfehle ich nichts mehr uneingeschränkt, weil ich nichts uneingeschränkt gut finden kann (alles, was man mag, ist irgendwo auch problematisch), und weil immer jemand noch weitere problematische Aspekte findet, was ja in Ordnung ist.

EDIT: OH MEIN GOTT OH MEIN GOTT OH MEIN GOTT! News just in: Community wird fortgesetzt! Online! Danke Yahoo. Oder anders gesagt: Cool. Cool cool cool.
http://insidetv.ew.com/2014/06/30/community-sixth-season/