Sehen alle Asiaten gleich aus?

Ein Beitrag frei aus der Serie: Dinge, die ihr schon immer wissen wolltet, Naekubi aber nie zu fragen gewagt habt. Weil es keine dumme Fragen gibt. Heute: Sehen alle Asiatinnen und Asiaten gleich aus?

Asiatinenn und Asiaten - gesichtslos und alle gleich wie Stormtrooper?
Bild via pixabay

"Ihr seht ja alle gleich aus!"

Welcher asiatische Mensch hat das seinem/ihrem Leben nicht schon gehört, halb im Scherz, halb im Ernst. Klar, wie soll das auch gehen, ungefähr 2 Milliarden Asiatinnen und Asiaten auseinanderzuhalten? Mancher denkt, wir wären wie Bananen: Genormt und gleichförmig gelb. Wir haben ja ohnehin alle schwarze Haare und braune Mandelaugen, nicht wahr?!

Erst einmal: Viele AsiatInnen haben graue Haare. Ich zum Beispiel, weil ich auch nicht jünger werde. Und es gibt blonde AsiatInnen. Und viele RussInnen sind, zumindest geographisch gesehen, AsiatInnen. Und da gibt es viele mit blauen Augen.

Aber klar, es geht hier um ost- und südostasiatische Menschen. Die angeblich alle gleich aussehen. Wenn ich meine Familie ansehe, bestätigt sich das nicht. Nicht einmal die Hautfarbe ist dieselbe: Die einen sind richtig dunkel, während andere regelrecht durchsichtig sind.

Natürlich kann ich das leicht behaupten, ich bin schließlich mit diesen Gesichtern aufgewachsen. Für außenstehende Nicht-AsiatInnen mögen unsere Gesichter ungewohnt sein. "Asiatische Gesichter sieht man ja nicht so oft", heißt es da. Und das ist der springende Punkt: die Sehgewohnheit.

Der Cross-Race-Effekt

Man mag es nicht glauben, aber für diesen Effekt gibt es eine einigermaßen wissenschaftliche Erklärung: Der Cross-Race-Effekt, auch bekannt als Cross-Race Bias oder Other-Race Bias. Der Begriff wird sowohl in der Sozialpsychologie als auch in der Verhaltensbiologie verwendet.

Schlicht gesagt, erkennt man Gesichter aus der eigenen ethnischen Gruppe oder Kultur besser als fremde Gesichter. Wer nur europäische Gesichter gewöhnt ist, tut sich schwer, asiatische Gesichter zu unterscheiden. Man ist nur auf die Gesichtszüge fokussiert, die die Ethnie auszeichnen - nicht individuelle Merkmale.

Diese ethnische Gesichtsblindheit erklärt die Sozialpsychologie mit dem Prinzip der In-Group: Individuelle Merkmale erkennen und Gefühle lesen können sind demnach nur wirklich wichtig bei der eigenen sozialen Gruppe - die häufig auf derselben Herkunft beruht. Und der Vorteil, fremde Gesichter lesen zu können, ist mitunter gering, da sie zur "Out-Group" gehören, weshalb man darauf wenig Energie verschwendet.

Das kann in unserer heutigen globalisierten Welt extrem peinlich werden: Da kommt Herr Meier, ein  mittelständischer Manager aus Leinfelden-Echterdingen, nach Guangzhou, um mit dem wichtigen Herrn Wang zu sprechen, nur um dann leider zuerst dessen Sekretär, Herrn Zhang, die Hand zu schütteln. Da platzt so mancher Deal.

Was hilft: Übung

Diese ethnische Gesichtsblindheit ist kein Schicksal, sondern lässt sich überwinden: Indem man mehr mit AsiatInnen zu tun hat - oder mit schwarzen Menschen, denn die werden genauso häufig und gern in einen Topf geworfen. Das Gehirn ist flexibel und lernt, nicht nur auf ethnische Marker anzuspringen, sondern auf individuelle. Plötzlich eröffnet sich einem eine neue Weltsicht voller breiter und spitzer Nasen, runde und eckige Kiefer, Augenlider mit Doppel- oder Monolid, Bärte, hohe und niedrige Stirne, schmale und volle Lippen. Und dann ist es gar nicht mehr so schwierig.

Es geht auch andersherum

Und ganz ehrlich: Weiße Menschen haben die Individualität nicht für sich gepachtet. Beweis:
Und weils so schön war, noch eins:


Wer sich also fit machen möchte, gucke sich koreanische Drama-Serien an oder lerne asiatische Menschen kennen. Plötzlich sehen wir alle buchstäblich ganz anders aus.

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