2013/01/01

Kokosnuss 101.

Im diesjährigen Weihnachtsurlaub war ich wieder einmal eine Woche bei meinen Eltern. Der Großstadttrubel wurde mir dann doch zu viel und da ich noch ohne Anhang bin, war es naheliegend, die Familie wieder zu beehren.

Mein Teamkollege fragte mich vor den Feiertagen, ob meine Familie denn Weihnachten feiere. Ich vermute, er hatte angenommen, dass wir Buddhisten sind oder den Ahnenkult pflegen (eine durchaus plausible Annahme). Es tat mir fast leid, ihn enttäuschen zu müssen - wir sind katholisch. Und das nicht erst seit gestern, schon meine Großeltern und Urgroßeltern waren Anhänger des christlichen Glaubens, sodass niemand mehr weiß, welche Generation eigentlich von den französischen Kolonialherren zum Katholizismus gezwungen bekehrt wurde. Einen Weihnachtsbaum gab es dieses zwar nicht, aber eine Vorgarten- und Wohnzimmerbeleuchtung, die den Namen "Bunt&Kitschig" verdient. Aber ich schweife ab.

Ich wollte mir gerade eine Orange aus der Küche holen, als ich an der Spüle eine Kokosnuss liegen sehe, in all ihrer spröden Fusseligkeit. Erst letztens lag in unserer WG-Küche eine ganz ähnliche Kokosnuss, die eine Freundin von Lillebror mitgebracht hatte. Das Kokoswasser wurde mittels eingebohrter Löcher abgeschöpft, aber die Nuss brachte ich ums Verrecken nicht auf, weshalb sie zu meinem Bedauern ungegessen und innen vermutlich verschimmelt in die Bio-Tonne wanderte.

Meiner Mutter erzählte ich die bedauernswerte Episode um die Kokosnuss und um mein Unvermögen, mit dem Ding fertig zu werden.

"Ihr hättet doch einfach anrufen und fragen können! Ich zeig dir mal, wie das geht."

Hier zeigte sich nun der Vorteil, wenn die Eltern aus tropischen Gebieten stammen. Ich kam in den Genuss der Einführungsveranstaltung Die Kokosnuss und Du - eine harte Beziehung.

Um eine Kokosnuss zu öffnen, braucht man zunächst einen Hammer, einen festen Nagel oder einen Schraubenzieher, Kraft in den Armen und ein bisschen Zeit.

Jede Kokosnuss besitzt auf ihrer Oberseite drei "Male", die eine Art Gesicht bilden. Eines der Male lässt sich sehr leicht, ein weiteres einigermaßen, das letzte kaum aufbohren. Mittels Hammer, Nagel oder Schraubenzieher bohrt bzw. schlägt man zwei der drei Löcher auf. Die Chancen stehen mit 2 zu 3 recht gut, dass man gleich die eines der beiden einfachen Male erwischt.

Anschließend gießt man das Wasser in ein Glas ab. Es ist absolut trinkbar und an sich recht lecker. Durch das eine Loch wird abgegossen, durch das andere strömt Luft, damit kein Unterdruck innerhalb der Kokosnuss entsteht und das Kokoswasser ungehindert abfließen kann. Übrigens: Je mehr Wasser in der Kokosnuss ist, umso frischer und besser ist sie auch. Beim Kauf also immer auf besonders schwere Nüsse achten. Während des Abgießen sollte man immer wieder die Nuss schütteln um sicherzugehen, dass sie leer ist.

Dann folgt der anstrengende Teil: Schlagen. Mit dem Hammer haut man rundum auf die Kokosnuss ein. Das dauert eine Weile - man sollte darauf achten, keinen der eigenen Finger zu erwischen. Man dreht also vorsichtig die Kokosnuss in der Hand und prügelt gleichzeitig fest auf sie ein. Am Klang des Schlags kann man erkennen, wie brüchig die Nussschale ist: Ist er zu Beginn noch klar und rund, wird er mit zunehmenden Hammerschlägen immer rauher und unsauberer. Irgendwann gibt die Schale nach und die Nuss bricht.

Innen offenbart sich das schöne weiße Kokosfleisch. Mit einem scharfen Messer muss man noch die fusselige harte Nussschale trennen. Dazu das Messer als einen Keil zwischen die Schale und das Fleisch schieben und es heraushebeln. Die fusselige braune Kokosschale eignet sich laut Auskunft meiner Mutter hervorragend zum Verfeuern im Kamin und bringt es auf eine wesentlich längere Brenndauer als einfaches Holz. Das Kokosfleisch hat an der Außenseite noch eine braune Haut. Man kann sie essen, besser schmeckt das Ganze aber, wenn man auch diese dünne Schicht abgeschält hat.

Und jetzt: Kokosnuss knabbern und Kokoswasser hinterherschütten. Man kann mit Kokosnuss aber auch Fleisch- und Gemüsegerichte exotisieren. Wohl bekomm's.

Im Übrigen wünsche ich allen Leserinnen und Lesern ein gutes Jahr 2013! Hoffen wir, dass wir dieses Jahr nicht ganz so harte Nüsse zu knacken haben :D

Kommentare:

  1. Hihi, die Kokosnüsse... kenn ich. Ich wusste allerdings nicht um die Unterschiede der drei "Flecken"... dazu hab ich wohl nie zu viele zerdeppert...
    Ich hab sie nach dem Leeren des Wassers *schlürf* immer mit einem Hämmerchen gekillt, etwas weniger zartfühlend als bei deiner Beschreibung, eher nach "Haut den Lukas"-Manier, klappte wohl immer, jedenfalls kann ich mich nicht an das Gegenteil erinnern. Aber nun scholang nicht mehr.

    (Gruselige Erinnerung meinerseits an Kokosnüsse ... ich war wohl so zehn... angebohrt, Wasser raus und getrunken... schmeckte gruselig würg...eine einzige Beschreibung war wie Meister Proper... (den ich aus Versehen einmal kosten durfte...bäh)aufgesägt und sie war innen grün verschimmelt.)

    Familientradition ist jedenfalls feinsäuberliches (?) Aufsägen, um die Hälften danach als Schüsselchen zu missbrauchen.

    Ein wunderbares 13 wünsch ich dir!

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    1. Der Vorteil dieser Methode ist, dass die Trümmer nicht allzuweit fliegen ;)

      Und die Dichte oder das Gewicht einer Kokosnuss gibt auch Aufschluss darüber, ob sie noch gut ist. Wenn sie auf viel Volumen wenig Masse bringt, ist sie mit großer Wahrscheinlichkeit schlecht. Oder man testet es so wie du mit zehn Jahren ;)

      Ich wünsche dir ebenfalls ein schönes Jahr 2013!

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