Naekubis Presseschau - Sondereintrag
Ich habe mich die letzten Tage gefragt, ob ich wirklich dazu schreiben sollte. Nur ungern möchte ich mich bei denen einreihen, die die Menschheit schon auf dem sicheren Weg zur atomaren Apokalypse sehen.
Mein Blog behandelt das Thema Asien und AsiatInnen und derzeit ist wie selten zuvor die Rede von einem asiatischen Land - Japan.
Ich habe selbst Verwandte in Yokohama, doch nach Auskunft meines Vaters geht es allen gut. Meine Schwester hat japanische Freunde, eine von ihnen stammt selbst aus Fukushima. Sie ist ok, aber zu ihrer Familie gibt es derzeit keinen Kontakt (R., wir denken an dich!). Wir hoffen für sie und alle Betroffenen in Japan das Beste.
In all der Not und dem akuten Elend, das durch die mangelnde Versorgung mit Essen, Wasser und Unterkünften in den Krisengebieten sowie die hohe Zahl an Toten und Vermissten entsteht, scheinen die Japaner selbst relativ ruhig und besonnen zu sein. Man hört nichts von Plünderungen, stattdessen stehen die Menschen ordentlich Schlange, um in Geschäften Vorräte zu kaufen.
Die deutsche Presse klingt da ganz anders und scheint bewusst Ängste zu schüren:
web.de und gmx.net titeln etwa über das Erdbeben "Plötzlich tat sich die Erde auf", Spiegel online schreibt "Wind bläst radioaktive Wolke nach Tokio", dabei hat sich bisher nur das Wetter gedreht. Erst wenn man den Artikel liest, zeigt sich: Eine gefährlich radioaktiv verseuchte Wolke existiert noch gar nicht.
Wo man auch liest in den deutschen Medien, es herrscht kopflose Panik, eine ungeahnte Sensationsgeilheit und Besserwisserei vor. Klar, die Lage ist gefährlich, aber dramatisieren und emotional aufladen sollte man die Vorfälle auch nicht. Ich meine, ein Live-Ticker? Das halte ich passend für Fußball-Berichterstattung, aber eine Katastrophe in Echtzeit zu übertragen... ich kann nur den Kopf schütteln.
Ein japanischer Kommilitone meiner Schwester regte sich sehr darüber auf, wie die deutsche Presse von den Ereignissen berichtet. Die Hysterie und die oben bereits angedeutete Verdrehung der Tatsachen stießen ihm sauer auf. Das hilft niemandem, am wenigsten den betroffenen Japanern.
Die Effekthascherei deutscher Medien macht eher alles nur noch schlimmer für Menschen, die gar nicht betroffen sind: die Deutschen. Ein Gutes hat es ja: Es kommt Bewegung in die Diskussion um Atomenergie. Aber das ist Innenpolitik, nicht Erdbeben- oder Tsunami-Hilfe.
Uns bleibt nichts anderes übrig als abzuwarten, zu beten (für diejenigen, die meinen, es hilft, schaden tuts sicherlich nicht), Geld zu spenden und darauf zu hoffen, dass alles getan wird, um bei der derzeitigen Not noch größeres Leid zu verhindern.