Push Pause.

Pause Button by Charlotte90T


Eigentlich wollte ich noch so viel schreiben. Über die deutsch-vietnamesische Tagung "Brückenschlag" im September, meinen Urlaub, Interviews mit Leuten, die ich im Urlaub traf, neue Serienberichte (Sehempfehlung für Fresh Off The Boat und Master of None) und vieles mehr. Aber es geht gerade nicht. Ich kann nicht mehr.

Manchmal überrollt dich das Leben einfach. Ihr erinnert euch an meinen Tinder-Teil 3? Manche Dinge sollte man nicht beschreien. Der Gefährte hat sich entschieden einen anderen Weg einzuschlagen. Anstatt eines langen gemeinsamen Spaziergangs hat er eine frühere Abzweigung genommen und ich stehe da und frage mich, was zur Hölle gerade passiert ist.

Warum ich das so offen schreibe, damit es die ganze Welt lesen kann, sich denken kann: "Ha, das hat ja wunderbar geklappt mit asiatisch-deutschem Dating!" Warum ich mich dem aussetze? Weil ich ehrlich sein will. Das Leben ist kein Märchen, manchmal ist es random und beschissen und unerklärlich. Da kann man sich noch so sicher fühlen, so sehr mit sich im Reinen sein, das Leben kennt doch Wege, dich zu überraschen. Zu diesem Tanz gehören immer zwei, manchmal reicht die Kraft nicht, weiterzumachen, oder es macht keinen Spaß mehr oder man hat sich etwas anderes vorgestellt. Egal, was es letztendlich war: Es ist vorbei.

Ich bin enttäuscht (was für ein Witz, zerstört trifft es besser), denn vierte Teile (ich betrachte diesen Eintrag als inoffiziellen Naekubi auf Tinder Part 4) sind notorisch schlecht. Tetralogien zerstören die heilige Dreifaltigkeit der Trilogien, die besten Dinge sind als Dreiakter angelegt. Dass ich einen unbefriedigenden vierten Teil dranklatschen muss, fühlt sich nicht nur wie eine persönliche, sondern eine politische Niederlage an. Vielleicht wollte ich unbedingt zeigen, dass asiatisch-deutsches Leben, Versöhnung mit einem selbst und den vernachlässigten Aspekten der eigenen Persönlichkeit möglich sind. Vielleicht wollte ich für meine asiatisch-deutschen LeserInnen Vorbild sein, zeigen, was alles möglich ist, wenn man sich selbst herausfordert. Well, look how that turned out.

Jetzt kommt die harte Landung. Mein Beziehungsprojekt ist gescheitert. Hat eine Bauchlandung hingelegt und ist in Flammen aufgegangen. Nur weil jemand ähnliche Wurzeln mit dir teilt, heißt das nicht, dass Beziehungen besser funktionieren. Die Wurzeln sind nur ein winziger Teil, es hängen ja Stängel, Blätter, Blüten dran, um bei der Metapher zu bleiben. Ich wollte, dass meine Erzählung anders verläuft. Es hat nicht geklappt, aus Gründen ganz unabhängig von Herkunft. Meine Geschichte hat sich entwickelt in eine alanis-morissetteske Interpretation von "Ironic".

Was bleibt mir hier zu sagen? Wie geht es hier weiter? Ich weiß es nicht, ich fühle mich leergeschrieben, erschöpft und überspannt. Das Bloggen fühlt sich an wie eine Pflicht, eine Verantwortung, der ich entkommen möchte. Im Moment verspüre ich wenig Lust, mich mit dem auseinanderzusetzen, was außerhalb meiner selbst passiert: Syrien-Vertriebene, Anschläge, gesellschaftliches Klima, Feminismus, Fernsehen, Asiatisch-/Vietnamesischsein - ich bin nicht in der Lage, kluge und reflektierte Aussagen dazu zu machen. Stattdessen bin ich nur mit mir selbst beschäftigt, was mir irgendwie leid tut. Aber ich kann nicht anders.

Was ich also sagen will: Ich mache eine Pause.

Danke und bis später.