Naekubis Nails - Edition 010: Petrol, Senfgelb, Navyblau


Vor einigen Wochen twitterte und instagramte die kaltmamsell im Rahmen von #609060 die Frage, was man zu einem petrolfarbenen Rock mit senfgelben Ornamenten kombinieren könnte. Ich schlug ihr navyblau vor, weiß aber nicht, ob sie meinen Tipp in die Tat umsetzen konnte. (Rückmeldung diesbezüglich wäre sehr willkommen). Manchmal scheitern solche Ideen ja an der mangelhaften Ausstattung des eigenen Kleiderschranks.


Ich selbst trage sehr viel navy-blaue Klamotten, petrol kommt gleich an zweiter Stelle. Vielleicht sollte ich mir noch irgendetwas senfgelbes besorgen - diese Farbe steht mir isoliert betrachtet nicht, da zu warm. Aber merke: Farben, die nicht dem eigenen Farbtyp entsprechen, kann man tragen, sofern sie nicht zu nah am Gesicht ist. Eine senfgelbe Strumpfhose oder als eine Farbe in einem gemusterten Stoff wäre sie also in Ordnung.


Die Farbkombination blieb mir im Gedächtnis. Es fehlte nur noch eine zündende Idee, welches Muster ich verwenden könnte. Zufällig stolperte ich über den Nailart-Channel von elleandish//Janelle auf Youtube, den ich unheimlich toll finde und allen NagelpinslerInnen unter uns wärmstens empfehlen möchte - die Videos sind immer hochprofessionell und liebevoll gestaltet, die Designs sind bunt genug und auch für kurze Nägel geeignet. Zusätzlich gibt sie am Ende des Videos zu ihren Designs noch Tipps, welche anderen Farbpaletten sich jeweils eignen. Besonders dieser Look hatte es mir angetan:



Um eigene Farbinspirationen festzuhalten, habe ich ein kleines Notizbuch, in das ich Zusammenstellungen verschiedener Nagellacke hineinmale - das Ergebnis von Petrol, Navyblau, Senfgelb/Shrekgrün und zusätzlich dunkelbraun seht mit elleandishs Design seht ihr also hier. Die cremefarbenen Streifen sind von Hand aufgemalt.  


So zum Schluss: Wollt ihr mal sehen, wie ich "arbeite"? This is where the magic happens... Entschuldigt die schlechte Bildqualität, ich habe leider keine Lampen in Fotostudiostärke...


Noch einen schönen Restsonntag!

Lesen im Bananenhain - neue Serie.

Es wird bald Winter. Zeit also, wieder in die Stadtteilbibliothek zu gehen und viel zu lesen. Ich bin, was Lesestoff angeht, nicht allzu wählerisch. Meist nehme ich ein Buch mit, wenn mir die Aufmachung gefällt und die ersten Zeilen der ersten Seite mich ansprechen.
Ich habe mich dazu entschlossen, einige Bücher hier auf dem Blog vorzustellen. Da Danger! Bananas eher "asian-themed" ist, konzentriere ich mich auf Bücher aus dem asiatischen Raum und auf Bücher mit asiatischstämmigen AutorInnen.

Tee und Bücher gehen gut zusammen. Aber etwas fehlt...

Natürlich gibt es zahlreiche Buchrezensionsblogs. Doch mich treibt die Frage um: Welche Romane aus Asien schaffen den Sprung nach Deutschland? Was für ein Bild wird von asiatischen Ländern und asiatischen Menschen gezeichnet? Welchen Eindruck erhält man? Oder unterscheidet sich das überhaupt nicht?

Bevor jemand auch nur irgendein ausländisches Werk in Händen hält, ist es vorher bereits durch einen mehr oder weniger strengen Auswahlprozess gegangen. Nicht nur LektorInnen im Herkunftsland, Verlage und die AutorInnen selbst haben die Bücher durchgesiebt. In den Zielländern gibt es LiteraturagentInnen, ÜbersetzerInnen, Verlage, die dasselbe noch einmal machen. Die Frage ist immer: Funktioniert dieses Buch auch auf dem deutschen Markt? Ist es so gut, dass es auch hier gelesen werden sollte?
Ich stelle mir beim Lesen die Fragen: Soll mit dieser Auswahl von Romanen ein bestimmtes, vielleicht gar ein stereotypisches, Bild bestätigt oder verstärkt werden? Und, nicht zuletzt: Ist das Buch lesenswert? Kann ich es guten Gewissens empfehlen?

Lesen im Bananenhain?

Warum der Titel "Lesen im Bananenhain"? Der Lesen-Teil erklärt sich von selbst. Hain ist für mich ein typisches Literatur- oder Lyrikwort, das gerne in schwärmerischen Naturoden von Klopstock oder romantischen Landschaftsimpressionen von Eichendorff auftaucht, aber nie in Gesprächen oder modernen Texten. Es ist einfach zu literarisch-hochtrabend. Der Bananenhain wiederum ist die an mich angepasste Version des schönen deutschen Hains ;)

Viel besser.

Los geht es demnächst. Ich werde versuchen, in einem zweiwöchentlichen Rhythmus Bücher vorzustellen. Wäre schön, wenn ihr dabei wärt!

30 Jahre. Zum Gedenken.



"Die Stadtverwaltung hat uns angeschrieben. Ma und Pa müssen wieder was zahlen, um das Grab von Anh Hung zu verlängern."

Schwesterherz und ich skypeten wie so häufig an einem Freitagabend. Ich lackierte mir gerade die Fingernägel, konzentriert, um nichts zu verpatzen.

"Aha."

Anh Hung - großer Bruder Hung. Der Name klang immer noch vertraut. Eine Person, die ich nicht kannte, die jedoch wie Hintergrundgemurmel an einem geschäftigen Ort in meiner Familie immer eine Rolle spielte. Anh Hung gehört zu unserer Familie - irgendwie. Weil er zu meinen Eltern gehört, zu einem lange vergessenen Leben, das ich nicht kenne.

Schatten der Vergangenheit.

Es war Frühjahr 1979, als mein Großvater, der Vater meiner Mutter, seinen Plan umsetzte: Fliehen. Weg aus Vietnam. Die ganze Familie sollte raus, aus dem Kommunismus, der Überwachung, der Not. Wie Tausende andere - über das Meer. Wohin? Am besten Australien, USA oder Kanada. Auf jeden Fall weg.

Meine Mutter war damals knapp 18, frisch verheiratet mit meinem Vater und hochschwanger mit ihrem ersten Kind. Diese Aprilnacht war damals günstig, wenig Patrouille, klarer Himmel, ruhige See. Sie brachen auf, in einem kleinen Fischerboot: Meine Großeltern, meine Mutter, einige ihrer Geschwister, weitere Flüchtlinge.

In dieser dramatischen Situation ein Kind zu bekommen, dazu noch das allererste, ist ein Horror. Keine medizinische Hilfe, nur meine Großmutter als Unterstützung. Die Nabelschnur wurde mit einem abgekochten Taschenmesser durchtrennt und mit einen Stück Zwirn abgebunden. Meine Mutter erzählte mir irgendwann, dass die übrigen Flüchtlinge auf dem Boot abgemacht hatten, den Säugling über Bord zu werfen, falls er schreien sollte. Zu nah war noch die Küste und damit die Patrouillen.

Anh Hung schrie nicht. Das Boot fuhr weiter. Nach drei Wochen auf See erreichten sie mehr tot als lebendig Malaysia. Sie kamen schließlich in das Flüchtlingslager Pulau Bidong, das später als "Hölleninsel" bekannt wurde - damals befanden sich dort 40.000 Menschen auf einer Fläche so groß wie ein Fußballfeld. Das Kind lernte dort laufen. Doch katastrophale hygienische Bedingungen bei medizinischen Untersuchungen und nicht ausreichende Medikamente führten schließlich dazu, dass Anh Hung schwere Infektionen bekam und sich seine Hirnhaut entzündete.

Es ist einem deutschen Arzt, der im Lager half, zu verdanken, dass meine Familie schließlich nach Deutschland kam: Aufgrund des kritischen Zustands von Anh Hung - er musste zu diesem Zeitpunkt bereits künstlich ernährt werden - wurden meine Mutter zusammen mit meinen Großeltern und ihren Geschwistern so schnell wie möglich nach Deutschland ausgeflogen.

Anh Hung wurde sofort behandelt, als meine Mutter in München landete, und ins Klinikum in Schwabing verlegt. Doch viel konnten sie nicht mehr tun, zu weit fortgeschritten war die Entzündung der Hirnhaut. Er litt an schrecklichen Anfällen und Krämpfen und konnte ohnehin nicht selbstständig essen. Seine letzten Monate verbrachte er in Neuendettelsau, näher an der neuen Heimat meiner Mutter. Er sollte sich nicht mehr erholen.

Am 20. November 1983 starb Anh Hung.



Die Gegenwart.

Ich starrte meine Nägel an. Das Ergebnis fand ich zufriedenstellend.

"Ich dachte, Ma und Pa hätten das Grab erst letztens verlängert?"

Schwesterherz auf der anderen Seite antwortete nur kurz:

"Das ist schon wieder fünf Jahre her - Das muss alle fünf Jahre neu beantragt werden."

Inzwischen sind also dreißig Jahre vergangen. Meine Eltern haben Anh Hung nie verheimlicht oder verschwiegen - seine Bilder stehen zu Hause auf den Regalen gleichberechtigt neben unseren. Nur hören seine Bilder im Alter von vier Jahren auf.

Als Kinder haben wir öfter eine Art Spiel gespielt - es hatte keinen Namen. Nennen wir es "Was wäre, wenn Anh Hung noch leben würde?" - "Wenn Anh Hung noch leben würde, wäre er soundso alt. Schon so alt! Boah, glaubst du, er wäre auch auf unser Gymnasium gegangen?" - "Was Anh Hung wohl studiert hätte?" - "Ich weiß nicht, vielleicht wäre er ja Arzt geworden." - "Dann wäre wenigstens eineR von uns MedizinerIn." - "Ja." - "Wenn Anh Hung noch leben würde, gäbe es Lillebror nicht - Mutter wollte immer nur genau vier Kinder." - "Das wäre sehr schade!"

Ich pinselte gerade Überlack auf, um meine Maniküre fertigzustellen.

"Unsere Eltern werden das Grab schon verlängern, oder?"

"Klar."

Mutter sagte einmal zu mir, dass ich große Ähnlichkeit mit Anh Hung hätte. Wahrscheinlich ist es nur ein Zufall, dass sein Todestag und mein Geburtstag so nah beieinander liegen. Und eigentlich glaube ich nicht an Wiedergeburt.

Sprichst du eigentlich Vietnamesisch?

Viele Menschen stellen mir irgendwann die Frage

Sprichst du eigentlich Vietnamesisch?

Der Einfachheit halber bejahe ich dies meistens. Aber so einfach ist es nicht. Lasst es mich einmal erklären.

Ich wurde hier in Deutschland geboren als Tochter von vietnamesischen Eltern. Ich wuchs die ersten Jahre fast rein vietnamesisch auf - meine Familie hatte zwar Kontakt zu den Deutschen, aber für mich als Kind hielt sich das in Grenzen. Erst zum Eintritt im Kindergarten änderte sich das grundlegend. Storebror, der mir altersmäßig ein wenig voraus ist, brachte mir sicherlich einiges an Deutsch bei. Auch die gute alte Glotze tat ihren Teil. Für uns war Deutsch zu Hause immer auch ein wenig Geheimsprache, wenn wir etwas vor unseren Eltern zu verbergen hatten. Ab einem bestimmten Sprechtempo konnten sie unserem Deutsch nicht mehr folgen. Ziemlich komfortabel.

Storebror, Patin Schwester Anneliese, Schwesterherz im Taufkleid, ich*

Je älter ich wurde, desto mehr Kontakt hatte ich zu "den Deutschen". Mein Freundeskreis ist weitgehend deutsch und weiß - das wurde mit dem Übertritt ins Gymnasium noch verstärkt. Die Kinder und Jugendlichen mit sogenanntem Migrationshintergrund sowie PoC (People of Colour) sehr selten. AsiatInnen oder VietnamesInnen gab es kaum.


Das Aufwachsen in der deutschen Umgebung hat natürlich seine Spuren hinterlassen - ich spreche, denke und träume inzwischen fast ausschließlich auf Deutsch. Nur selten mischt sich Vietnamesisch hinein. Meine Kenntnisse meiner Muttersprache sind mit den Jahren und Jahrzehnten geschrumpft auf einen Rest Küchen- und Haushaltvietnamesisch. Genug, um den Alltag zu bestreiten und mit Verwandten zu sprechen, aber bei weitem nicht ausreichend, über fortgeschrittene Themen wie Politik, Kultur oder Gesellschaft zu sprechen. Oder gar Feminismus. (Gott, was heißt Feminismus auf Vietnamesisch?)

Aber es kommt noch schlimmer: Meine Eltern stammen aus der Gegend um Hue und sprechen einen Dialekt, der auch in Vietnam als rückständig und seltsam angesehen wird und den die wenigsten überhaupt auf Anhieb verstehen. Man kann es sich so vorstellen, wie wenn ich aus einem niederbayerischen Dorf kommen würde und versuchen würde, in Hamburg etwas zu essen zu bestellen - die VietnamesInnen erkennen, dass ich ihre Sprache spreche, verstehen mich aber schlecht. Umgekehrt wiederum begreife ich, was die anderen mir sagen wollen. Ihr seht, wo das Problem liegt.

Weil innerhalb der Familie und Verwandtschaft fast alle diesen Dialket sprachen, haben es meine Eltern versäumt, uns einen gängigeren Dialekt bzw. das Standardvietnamesische beizubringen. Der Einfachheit halber spreche ich deshalb auch mit anderen Deutsch-VietnamesInnen Deutsch. Das ist zwar schade, aber man kann im Leben nicht alles haben. Im Leben verliert man Dinge und gewinnt dafür andere Dinge. Sollte also wieder jemand fragen

Sprichst du eigentlich Vietnamesisch?

werde ich mit einem grundsoliden, absolut eindeutigen "Jein" antworten.




*mein verklärter Gesichtsausdruck kam dadurch zustande, dass ich betrunken war. Zu viel von Papas Bier genippt.

Naekubis Nails - Edition 009 - Lebewohl goldener Oktober

...es ist wohl vorbei. Wenn ich aus dem Fenster sehe, ist es grau, verregnet, trüb und kalt. Also verstärken wir den Novemberschmerz mit ein paar Bildern aus dem goldenen Oktober.



Es war richtig schön an jenem Nachmittag im Nymphenburger Schlosspark. Ich spazierte durch die Anlagen im barocken Teil des Parks. Die Statuen waren teilweise schon eingepackt, auch der große Springbrunnen war bereits abgeschaltet. TouristInnen streunten noch durch die Anlagen, es waren aber wesentlich weniger unterwegs und einige führten bereits ihre Daunenjacken aus.


Am Monopteros setzte ich mich in die Sonne, beobachtete die Enten und Gänse bei ihrem Geschnatter während der Futtersuche. Weil das Licht der langsam untergehenden Sonne so schön war, machte ich einige Fotos von meinen Nägeln. Die Farben waren inspiriert von den Lindenbäumen in der Nähe, die in pastellgelb, mildem Orange und zartem, ja, Lindgrün sich verfärbten und ihre Blätter langsam abwarfen.


Durch das goldene Laub von Lindenbäumen zu gehen, hat etwas Magisches. Wie wenn man durch einen goldenen Saal geht. Und es ist noch besser, wenn die Sonne scheint.


Der Fussellack auf Zeigefinger und Mittelfinger stammt übrigens von A. (auch bekannt aus diesem Eintrag). Für KennerInnen: Dies ist der Dolly Mixture von Barry M. A. war Ende September in London und brachte mir zwei Lacke von Barry M. mit - sehr gute Wahl, weil es diese Marke hier nicht käuflich zu erwerben gibt.


Herbst ist immer so wehmütig - es hat etwas von Ein-letztes-Mal-noch und Abschiednehmen. Aber bevor wir gehen, gehen wir noch einmal in die Vollen.

Euch allen einen schönen Sonntag.