Wo sind meine Leute da draußen?

Ich bin seit etwa zweieinhalb Jahren im Netz dabei, Asiatinnen und Asiaten ein Gesicht zu geben (also metaphorisch gesprochen, mein Gesicht halte ich selten in die Kamera). Seit ungefähr anderthalb Jahren mische ich mich immer wieder unter die feministischen und anti-rassistischen NetzaktivistInnen. Dort fühle ich mich ganz wohl, aber mich beschleicht in letzter Zeit ein Gefühl:

Forever alone.

Als eine der ganz wenigen AsiatInnen, die auch über gesellschaftspolitische Themen schreibt, bin ich in der Aktivistenszene genauso vereinzelt wie im Leben "da draußen".

Woran liegt das? Schließlich ist es nicht so, dass wir AsiatInnen keinen Rassismus erfahren. Anscheinend ist der aber anders als für Schwarze oder Türkischstämmige. Ich wurde noch nie von einer Clubtür abgewiesen wegen meiner Hautfarbe. Mich hat man noch nie wegen meiner Kleidungswahl für rückständig und unterdrückt gehalten. Nur für exotisch und "total integriert". Oder für gar nichts, weil die Menschen mit AsiatInnen nichts anfangen können.
Das Unbehagen, falsch repräsentiert oder gar ignoriert zu werden ist aber auch nervig.

 Doch warum wehren sich AsiatInnen nicht dagegen?

Grund Eins: Es gibt hier so wenig AsiatInnen und sie schließen sich selten als "AsiatInnen (TM)" zusammen. Als große Gruppe hätte man mehr Schlagkraft. Doch zu groß scheinen oftmals die Unterschiede in Kultur und Selbstverständnis zu sein. Manchmal gibt es politische Gründe. Ich habe nichts gegen ChinesInnen, aber ich habe etwas dagegen, wenn die chinesische Regierung meint,  Inseln für sich beanspruchen zu können (mal abgesehen von der tausendjährigen Kolonialisierung Vietnams, aber das ist eine andere Geschichte). Das reicht nicht für Ressentiments gegen Individuen, aber ein komisches Distanzgefühl bleibt.

Grund Zwei: AsiatInnen, und das ist hier eigentlich das Traurige, thematisieren extrem selten ihr Asiatisch-Sein bzw. ihr Anders-Sein. AsiatInnen sind oftmals sehr pragmatisch - willst du in einer Gesellschaft erfolgreich sein, verhältst du dich so, dass du möglichst erfolgreich bist. Das heißt: Anpassung, oft bis zur Selbstverleugnung. Bei mir dauerte es auch extrem lange, bis ich diesen Teil meines Ichs akzeptiert hatte und es mir nicht mehr peinlich war, aus Vietnam zu stammen und noch "diesen anderen Teil" zu haben. Betrachtet daher meinen Blog auch als ein Stück Selbsttherapie ;)

Es ist ja nicht so, dass AsiatInnen nie in die Öffentlichkeit treten: Es gibt zahllose asiatische BloggerInnen, die kein Problem damit haben, sich, ihr Make-Up oder ihre Outfits einer Öffentlichkeit im Netz zu präsentieren.

In all den AsiatInnen schlummert großes Potenzial. Deshalb meine Idee:  

Ich möchte ein asiatisches Blognetzwerk errichten.  
Raus aus der Unsichtbarkeit, rein in Rampenlicht! 

Da wir ohnehin so wenige sind, sollten so viele wie möglich mitmachen: Bananen und "echte" AsiatInnen, Eingewanderte erster und zweiter Generation, Beauty-Bloggende und Gesellschaftskritische, einfach alle, die sich als AsiatInnen betrachten oder so gelesen werden. Keine Bio-Deutschen - die haben das gesamte deutschsprachige Netz für sich. Das hier wird unser kleines gelbes Königreich :D*

Meine Bitte an alle Leserinnen und Leser: Kommentiert/schickt/tweetet/facebookt mir alle Blogs, die von asiatischen Bloggenden geführt werden und die bekannter werden sollten. Und wenn ihr selbst asiatische Blogger seid, meldet euch bei mir! 

Als Anfang wird es einen Blogroll hier geben, in den asiatische Bloggende aufgenommen werden. Und von dort aus wird es weitergehen - ich habe schon Ideen...



*Wer bei dieser Aussage Angst bekommt oder sich benachteiligt fühlt, ist doof und sollte dringend mal seine Privilegien überprüfen.

with WINGS and ROOTS - Filmprojekt unterstützen!

Ich bin über eine Mailingliste auf folgendes Filmprojekt gestoßen: With Wings and Roots.

Die Filmemacherin Christina Antonakos-Wallace arbeitet an einem Dokumentarfilm, der sich mit der zweiten Einwanderergeneration in den USA und Deutschland beschäftigt.
"with WINGS and ROOTS ist ein Dokumentarfilmprojekt das die Geschichten und Visionen fünf junger Menschen in Berlin und in New York erzählt. Ein Film über Kinder deren Eltern als Einwanderer kamen und junge Menschen die ihren Platz in der Gesellschaft suchen. Auf der Suche nach Identität und Zugehörigkeit erzählen sie uns von ihren ganz persönlichen Wurzeln und Flügeln." 
Ihr könnt euch vorstellen, warum mir dieses Projekt wichtig ist. Diesen Zwiespalt, in mehreren Kulturen und Welten aufzuwachsen und nirgendwo richtig dazuzugehören, kenne ich aus eigener Erfahrung.
"Das Projekt (...) zieht Fragen nach Identität, Zugehörigkeit, Migration und Ausgrenzung von einer abstrakten Ebene in die Lebensrealitäten seiner Protagonist_innen und macht sie dadurch greifbar, sichtbar und hörbar."
Weg von der Theorie, hin zur Praxis ist das Motto. Bitte unterstützt deshalb dieses Filmprojekt über Startnext - jeder Beitrag zählt! :)


Die Müslischüssel in der Küche.

Dies ist eine kleine Geschichte. Wovon sie handelt? Von Gedankenlosigkeit und Routine, von Nachlässigkeit und Chaos. Aber von vorn.

Nachdem ich die letzten zwei Tage krank zu Hause war, erschien ich gestern wieder zur Arbeit. Nicht dass ich mich so viel besser gefühlt hätte. Mein Pflichtgefühl schleifte mich ins Büro (verflucht seist du!). Wie gewöhnlich frühstückte ich an meinem Schreibtisch mein Müsli. Ich brauche mein Müsli am Morgen, anderenfalls bricht sich meine latente Misanthropie vollends Bahn. Ich aß und stellte die Schüssel beiseite, um weiterzuarbeiten.

Irgendwann kratzte mein Hals: Ein Reizhustenanfall bahnte sich an (ich hasse Reizhusten - lieber allen Schleim der Welt als dieses uneffektive, trockene Gehuste), also schnappte ich mir die Müslischüssel als Vorwand, um schnell vom Schreibtisch zu verschwinden und in der Heimlichkeit der Küche mir die Lunge aus dem Leib zu husten. Ich huste ungern vor anderen Menschen - ich mag niemanden stören und mit meinem siechen Körper belästigen. In der Küche standen zwei KollegInnen - kein Ort also für ungestörtes Leiden. In meiner Hustennot und mit hochrotem Kopf stellte ich die benutzte Schüssel schnell auf die Arbeitsfläche, anstatt sie gleich in die Spülmaschine zu räumen. Dann flüchtete ich mich auf das Damenklo daneben.

Gefühlte Stunden später kehrte ich an meinen Arbeitsplatz zurück. Die Müslischüssel stand immer noch neben der Spüle auf der Arbeitsfläche in der Küche. Eigentlich wollte ich sie nach dem Gehuste aufräumen, doch ich vergaß es und arbeitete stattdessen weiter. Kurz vor Feierabend war wütendes Fluchen zu hören, gefolgt von intensivem Geschirrklappern.

Was war passiert?

Nachdem ich meine Schüssel auf die Theke gestellt hatte, kamen nach und nach die übrigen KollegInnen und stellten auch ihr benutztes Geschirr auf die Arbeitsfläche. Der/die erste muss meine Schüssel stehen sehen haben, was ihn/sie zur Annahme verleitete, dass die Spülmaschine voll war. Und eine unglückliche Verkettung von verschmutztem Geschirr nahm ihren Lauf. Niemand - ich wiederhole: niemand - sah die Notwendigkeit nachzusehen, ob die Spülmaschine tatsächlich voll war oder gerade lief. Ausbaden musste es am Ende der Küchendienst.

Eine einzige dreckige Müslischüssel hatte es geschafft, unsere Büroküche in ein mittleres Chaos verwandeln. Das alles aufgrund von Nachlässigkeit (=ich), Herdentrieb und Automatismen (=alle). Niemand hat auch nur eine Sekunde sein Gehirn eingeschaltet. Und hier geht es verdammtnochmal nur um schmutziges Geschirr.


Wenn in dieser Woche des Endes des 2. Weltkriegs gedacht wurde (wir ignorieren einfach mal, dass zu jener Zeit Japan die Atombomben noch vor sich hatte), denke ich an mein unfreiwilliges Experiment mit meinen KollegInnen und der Müslischüssel. 


Die wenigsten Menschen damals waren hollywoodmäßig böse Überzeugungstäter. Nein, viele waren so wie wir heute: Manchmal unaufmerksam, automatisiert durch die alltägliche Routine und zu beschäftigt mit sich selbst, um den Dingen auf den Grund zu gehen und sich anders zu verhalten. Sie folgten einfach, weil sie sich kein eigenes Urteil bildeten oder erlaubten. Und am Ende waren Millionen Menschen tot.

Dass dieser Herdentrieb und die routinemäßige Alltagsignoranz auch heute noch in uns wohnen, zeigt die dreckige Müslischüssel. Es bedarf unserer beständigen Anstrengung, nicht in diese Gedankenlosigkeit zurückzufallen. Die wenigsten Menschen sind böse, aber alle Menschen sind gedankenlos (ich nehme mich nicht aus).

Klar ist es unbequem, ständig nachzuhaken, nachzusehen, sich selbst von der Wahrheit zu überzeugen. Aber es gehört zu einem mündigen, freien Menschen Kant'scher Lesart dazu. Das betrifft nicht nur den Umgang mit anderen Menschen, sondern auch den Umgang mit der Umwelt, mit Konsumgütern, mit Normen und Regeln.





Das Chaos ist oft nur eine dreckige Müslischüssel entfernt. 



Naekubi auf Streifzug - neues Blogprojekt

Ich ging schon eine ganze Weile schwanger mit der Idee, jetzt habe ich sie endlich verwirklicht - mein Reiseblog:


Der Gedanke dahinter ist schnell erklärt: Ich versuche in meinem Leben als Büromensch mehr aus meiner Alltagsroutine aus Arbeit, Arbeitsweg und Wohnung aufzubrechen um die Abenteuer an der nächsten Straßenkreuzung zu erleben.

Also lautet das Projekt: Jede Woche eine Reise - mal groß, mal klein, mal weltbewegend, mal nebenher, mal kulinarisch und mal theoretisch. Ich hoffe, dass ich andere Schreibtischtäter zu ein wenig Aufbruch und Abenteuer inspirieren kann.

Kommt einfach mit ein Stück - schon dieses Wochenende gehts los! :)

[TAG] Serienjunkie.

Um es vorweg zu nehmen: Ich bin kein Serienjunkie. Ja, ich gucke Serien, aber bin kein extremer Fan von irgendwas.

Moni hat mich freundlicherweise getaggt, danke! Ein weiterer Blogpost ist damit gesichert ;)

1. All-Time-Favorites
Die Simpsons und Futurama. Ich habe schon in meiner Kindheit und Jugend wahnsinnig gern die Simpsons geguckt. Zugegebenermaßen sind die neueren Episoden eher ungenießbar, doch die älteren Folgen sind Gold wert. In den Simpsons verein(t)en sich Klamauk, Gesellschaftskritik und Tragik zu einer unglaublich unterhaltsamen Serie. Ich versuche immer, möglichst so Feierabend zu machen, dass ich auf ProSieben noch die Simpsons ansehen kann. Selbst wenn es die zwanzigste Wiederholung ist. Noch heute entdecke ich Witze neu, weil ich sie als Kind noch nicht verstanden habe, mir ihr Sinn und ihr Kontext aber jetzt erschließt. Und noch heute könnte ich bei manchen Episoden glatt weinen, z.B. als der Jazzmusiker und Lisas guter Freund, Zahnfleischbluter-Murphy, stirbt. ;(


Ähnliches gilt für Futurama. Ungefähr zu der Zeit, als die Simpsons uninspiriert und schlecht wurden, begann Futurama seinen Höhenflug. Ich mag das Setting in der Zukunft, die Mischung aus Komödie und Tragik, die Chemie zwischen den Charakteren und die Plotwendungen, die Bezüge zur Popkultur. Und mit Amy Wong ist eine "Banane" dabei, die auch als Charakter interessant ist.

2. Serien, die man gesehen haben muss:
Ich schreibe niemandem vor, was er sehen soll. Niemand muss irgendwas.

3. Handlung, Psychologie & Co:
Ich weiß nicht, ob ich irgendwelche Präferenzen hier habe. Aber eine halbwegs zusammenhängende oder wenistens plausible Handlung möchte ich schon. Family Guy habe ich nie verstanden. Gags um der Gags willen ist nicht so meins.
Seriencharaktere müssen mir nicht sympathisch sein, aber Tollpatschigkeit oder allgemeine Doofheit ertrage ich nicht. Deswegen konnte ich irgendwann nicht mehr 30 Rock schauen und deswegen mag ich New Girl nicht.

4. das Kaputtmachen / Wegnehmen von Serien:
Klassisches Beispiel ist wahrscheinlich die Serie Firefly. Wurde gecancelt, aber zumindest wurde ein Kinofilm daraus, der ein paar Dinge auflöste.
Dead Like Me war auch eine Serie, die ich ziemlich gut fand, die leider aber nach der zweiten Staffel abgesetzt wurde. Es geht um ein Mädchen namens George, die nach ihrem Tod (sie wird an ihrem ersten Arbeitstag von einer fliegenden Klobrille erschlagen) als Sensenmann Menschen das Leben nehmen muss, wenn sie soweit sind. Die Serie beschäftigt sich auf unterhaltsame Art mit ziemlich schweren Fragen.
Scrubs und die Simpsons sind mit der Laufzeit immer schlechter geworden. Manche Serien sollten vielleicht nicht länger als 6 Staffeln laufen, weil die Ideen irgendwann nur noch irreparabel schlecht werden. Im Amerikanischen nennt man das "to jump the shark".
Ansonsten gibt es keine Serie, an der ich so extrem hing, dass mir der Abschied schwer gefallen wäre.

5. schlechte deutsche Synchro?
The Big Bang Theory. Mit Abstand die schlechteste Synchro, die ich kenne. Dabei mag ich die Serie sehr, seitdem mich ein Kreis von Nerds (einen fröhlichen Gruß an Karin, Fox und Konsorten!) eingeführt hat. Ich habe wiederum meine Geschwister angesteckt und seitdem gehört TBBT zu unseren Lieblingsserien.

6. deutsche Serien?
Puh, schwieriges Feld. Ich habe zum Beispiel noch nie Tatort gesehen - dieses urdeutsche Sonntagabendritual ist nicht meins und ansonsten kenne ich kaum deutsche Serien, die ich mir gerne ansehen würde. Der Tatortreiniger vielleicht (sozusagen auch etwas mit Tatort) - eine Folge habe ich gesehen und dabei sehr gelacht. Dieser verquaste, verkopfte, etwas biedere Humor deutscher Machart, der in Loriot vermutlich seinen Höhepunkt fand, kann sehr gut sein.

7. zuletzt geschaute und aktuelle Serien:
Modern Family, The Big Bang Theory und Poyopoyo Kansatsu Nikki - eine Kinderserie aus Japan. Jede Episode dauert nur etwa zwei Minuten und handelt von einer kugelrunden Katze und ihren kleinen Abenteuern. Der Erzählstil ist rasend schnell und überdreht und eigentlich nur etwas für Leute mit gestörter Aufmerksamkeit. Aber die Katze ist sooo süß! Guckt sie euch an:

 via

8. random facts & andere peinliche Sachen:
Spontan fällt mir da nichts ein. Wie bei Filmen ist es manchmal schwer, mich zum Serienschauen zu überreden. Ich bin ein casual Gucker: Wenn es sich ergibt, gucke ich. Wenn es sich nicht ergibt, bringt es mich nicht um.

9. Bester Spruch:
Bender: "Du kannst mich an meinem blanken Metallarsch lecken."
Homer: "In dem Donut ist Purpurgelee drin. Purpur ist eine Frucht."

10. Serien die ich früher gerne geschaut habe:
Scrubs, Dragonball Z, House M.D. (der Beweis, dass eine Serie keinen sympathischen Helden haben muss, um interessant und unterhaltsam zu sein), Akte X (woah, die Neunziger!), Der Prinz von Bel-Air, Clarissa, Pete & Pete (surreal und abgedreht, aber guuut), Sabrina - Total verhext, Six Feet Under.

11. Zeichentrickserien/Animes die ich gerne geschaut habe:
Oh, da gibt es schon ein paar - ich war ein ausgesprochenes Fernsehkind und nicht wählerisch: Sailormoon (ich mochte Sailor Merkur), Saber Rider, Dragonball Z, Trigun, Neon Genesis Evangelion, Taotao, Heidi, Grimms Märchen (auch ein Anime, die Folge zum Märchen "Gevatter Tod" ist wahnsinnig dunkel, aber gut), Rock 'n Cop, Azumanga Daioh, Mila Superstar, Lady Oscar, Spiderman, Gargoyles, Animaniacs, Schlümpfe, Rugrats, Hey Arnold! (die Episode mit dem vietnamesischen Mann, der seine verlorene Tochter sucht, hat mich zu Tränen gerührt), Batman, Looney Tunes, Herkules (ich mag das Konzept des "Held in Ausbildung") uvm.

Puh, angesichts meines kindlichen Fernsehkonsums ist es erstaunlich, dass ich es bis zum Hochschulabschluss gebracht habe... *hust*

Im Allgemeinen mache ich keinen Unterschied zwischen Animation und "gewöhnlichen" Serien. Das ist mir einerlei.

Es gehört zum Tagging-Protokoll, dass ich den/das Tag weitergebe. Ich entscheide mich für Mercury und für die kaltmamsell. Ich weiß zwar nicht, wie deren Serienkonsum aussieht, wäre aber interessiert, es zu erfahren. Ist jemand von der werten Leserschaft ausgesprochener Serienfan?