Back from California - erste Ansichten.

Sicht von Zabriskie Point in Death Valley.


Da bin ich wieder, zurück aus dem Urlaub in Kalifornien und zurück im deutschen Herbst. Ich genieße es fast, wieder zu frieren. Da schmecken die Lebkuchen besser. Ich habe Städte groß und klein, Wüsten, Wälder, Strände besucht, viel gegessen, viel gesessen (vor allem im Auto, aber dazu wann anders mehr) und ein wenig Abstand gewonnen. Ehe ich meinen ausführlichen Reisebericht abliefere, gibt es hier noch ein paar Erkenntnisse, die ich auf der Reise gewonnen habe.

Übrigens ist mein erster Artikel auf bento erschienen, der "jüngeren", internet-affinen, buzzfeedesken Webseite aus dem Hause Spiegel Online. Ich habe mich mit dem deutschen Fernsehen und seiner Weißheit auseinandergesetzt - zu lesen hier.

Kinder. Überall Kinder.


Während ich in Deutschland vor allem Menschen mit Hunden wahrnehme, sah ich an der Westküste der USA sehr viele Familien mit Kindern. (Habe ich gerade Kinder mit Hunden verglichen? Ihr wisst, was ich meine.) Egal, wo wir hinkamen: Familien mit Kindern waren bereits da - und hochwillkommen. Als Mensch ohne Kinder fiel mir die Kinderfreundlichkeit auf, die sich vor allem im gesellschaftlichen Klima widerspiegelte. Muss sie ja, schließlich gibt es in den USA weder einen nennenswerten Mutterschutz noch sonstige Benefits. Dennoch scheinen nach meiner anekdotischen Evidenz die Leute wesentlich offener für Kinder zu sein. Ich sah zum Beispiel vor der Fähre nach Alcatraz ein Mädchen an einem Geländer herumturnen, etwas, das Kinder eben tun. Die Angestellte, die uns BesucherInnen durch die Kontrolle winkte, sprach das Mädchen an: "Careful sweetie, I don't want you to hurt yourself." Wie das wohl geklungen hätte in Deutschland? Ich vermute so: "Nicht auf dem Geländer herumturnen!!!elf!!"


2 Rechtschreibfehler an der Golden Gate Bridge.

 

Extreme Zugänglichkeit 


Nun waren meine Reisecompagnons nicht nur in Städten wie Los Angeles, San Francisco oder Las Vegas unterwegs. Es gehörten auch illustre Stationen wie der Grand Canyon, Death Valley und Yosemite Nationalpark dazu. Sicherheitshalber hatte ich Wanderstiefel dabei, doch ich hätte ganz ehrlich auch einfach mit Flip Flops herumlaufen können. Die AmerikanerInnen sind gut darin, sich das Leben bequemer zu machen. Davon profitieren nicht nur faule UrlauberInnen wie ich, sondern auch ältere und gebrechliche Menschen sowie Leute, die auf den Rollstuhl angewiesen sind. Selbst auf den Gipfeln von Yosemite Park (Glacier Point, um genau zu sein) konnte man mit dem Rollstuhl hinauf, um von dort einen herrlichen Blick über den Park zu haben. In San Francisco ist es sogar gesetzlich vorgeschrieben, dass auch für körperlich behinderte Menschen Orte wie öffentliche Toiletten, Verkehrsmittel, aber auch Restaurants und Sehenswürdigkeiten zugänglich sein müssten. Dadurch sah ich auch viel mehr Menschen im Rollstuhl oder ältere Menschen mit Gehstöcken. Man kann die USA verabscheuen wie man will, aber in vielerlei Hinsicht sind sie sehr progressiv.


Sicht auf den Berg El Capitan in Yosemite Park.

Von wegen "melting pot"


Ich hatte angenommen, dass Kalifornien schon sehr durchmischt ist, was die ethnische Herkunft der BewohnerInnen anbelangt. Für Los Angeles trifft das absolut zu: Wir fuhren durch Little Tokyo, Little Bangladesh oder auch Little Ethiopia. Diese Stadtgebiete sind entsprechend ausgeschildert, aber man hätte es auch durch die Beschriftung der Shops und Restaurants gemerkt. Neben den richtig großen Metropolen kamen wir durch den Roadtrip auch durch kleinere Städte, wo wir Rast machten und unseren Proviant aufstockten. Eine hieß Bishop, California, mit ganzen 3.500 EinwohnerInnen. AsiatInnen schienen dort ganz selten vorbeizukommen, wir erregten im örtlichen Supermarkt gewisses Aufsehen. So viele Blicke und Starren kenne ich sonst nur vom fränkischen Dorf. Wenn man noch unseren deutschen Akzent hinzurechnet, kann man sich die Verwirrung vorstellen.
Überhaupt ist das Konzept von asiatischstämmigen Deutschen etwas ganz "Exotisches": Als wir in San Francisco zu dritt in einem der berühmten Cable Cars fuhren und uns wie gewöhnlich auf Deutsch unterhielten, sprach uns ein leicht angeheiterter Mann an: "Wait, are you guys speaking German?" Ja mei, ich kanns verstehen.

Am Strand von Monterey. Nicht im Bild: Kalter Wind.

Smalltalk


Auf der Arbeit telefonieren meine Marketingkollegin und ich sehr häufig mit UK (wir sind ein britisches Unternehmen). Sie regt es tierisch auf, so viel Smalltalk machen zu müssen. Stattdessen möchte sie lieber über die Sachprobleme reden. Es ist ein deutsches Klischee, das stimmt: Die meisten mögen dieses Geplänkel nicht, sie wollen direkt in medias res. Ich habe mir das Smalltalken angewöhnt, weil man selbst in Deutschland nicht ohne auskommt. Über irgendetwas muss man ja reden.
Im englischsprachigen Raum ist es noch wichtiger, es ist eine Frage kultureller Kompetenz: When in Rome, do as the Romans do. Da gehört nun mal diese "hi how are you great how are you"-Routine einfach dazu. Eine Frage der Höflichkeit und der örtlichen Bräuche und Sitten. Ich werde sicherlich niemanden wissentlich vor den Kopf stoßen, um irgendeine Vorstellung von "Deutschsein" durchzudrücken. Ohnehin ist man immer ein bisschen ein anderer Mensch, wenn man eine andere Sprache spricht. Auf Vietnamesisch oder Englisch bin ich anders als auf Deutsch.
Mein Schwesterherz meinte festgestellt zu haben, dass mir Smalltalk Spaß macht. Spaß wäre zu viel gesagt. Ich mache es, weil es das soziale Protokoll in gewissen Kontexten verlangt und weil Anschweigen irgendwie unangenehmer wäre.


Was habt ihr schon im Urlaub für kulturelle Unterschiede feststellen können und gab es etwas, das euch woanders besser gefiel? Mich interessiert eure Erfahrung - ich freue mich auf Kommentare!

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