2013/02/14

Das Gleichnis von den zertretenen Füßen*

Es begab sich, dass die Follower von Naekubi sich um sie versammelten und fragten: Liebe Meisterin in Fragen von Rassismus, woran erkennen wir, wenn wir rassistisch handeln? Wie sollen wir uns gegenüber anderen verhalten?

Da sprach Naekubi zu ihnen in einem Gleichnis:

Auf einer großen Feier kamen allerhand Menschen zusammen. Sie alle waren gleich, weil sie Menschen waren. Sie waren aber auch unterschiedlich, weil sie unterschiedliche Körper, Talente, Erfahrungen, Sichtweisen mitbrachten. Weil es auf der Feier wenig Platz gab, geschah es, dass sich die Menschen gegenseitig auf die Füße traten.
Die erste Gruppe bewegte sich dreist. Sie traten auf die Füße anderer mit voller Absicht und aller Härte. Sie taten das, weil sie meinten, dass andere weniger wert seien und ihre eigenen Füße das Recht haben, dorthin zu treten, wohin sie wollten.
Die zweite Gruppe bewegte sich vorsichtig und bescheiden. Sie vermieden es, anderen auf die Füße zu treten. Und wenn sie doch jemandem auf die Füße traten, sahen sie ihren Fehler ein und baten um Entschuldigung. Sie lernten, sich noch besser durch die Menge zu bewegen, damit alle Platz auf der Feier haben.
Die dritte Gruppe aber, die größte der Dreien, bewegte sich unbekümmert, selbstvergessen. Auch sie traten anderen auf die Füße. Doch wenn sie ihren Fehler bemerkten oder darauf aufmerksam gemacht wurden, begannen sie zu klagen und zu jammern. Sie sagten: Es war nicht unsere Absicht! Es war nicht unsere Schuld! Wir meinen es nicht so! Und sie begannen zu streiten, warum sie es nicht böse meinten. Während sie noch jammerten, blieben ihre Füße weiter auf den Füßen der anderen.

Da fragte Naekubi ihre Follower: Welche Gruppe hat richtig gehandelt?
Die Follower sprachen: Die zweite Gruppe.

Da sagte Naekubi: Wenn ihr zu einer starken Gruppe gehört und Schwächere bedrängt, seid ihr schlimmer als die erste Gruppe. Denn diese handelt willentlich böse. Die dritte Gruppe aber handelt aus Ignoranz und verletztem Stolz. Sie erkennt nicht einmal, wie böse sie ist.

Die Follower fragten: Was ist, wenn jemand uns auf die Füße tritt?

Naekubi antwortete ihnen: Auf der Feier gab es ganz verschiedene Menschen. Einige hatten unempfindliche Füße. Ihnen machten Tritte nichts aus. Andere hatten weichere Füße. Sie litten stumm, weil sie es nicht anders kannten und weil sie nicht daran glaubten, dass man eine Feier auch ohne schmerzende Füße erleben kann. Wieder andere spürten den Schmerz deutlich und wehrten sich.   
Ich sage euch: Gehört ihr zu den Bedrängten und schmerzen eure Füße, dann wehrt euch - niemand soll das Recht über euch oder eure Füße haben. Jede und jeder soll Teil dieser Feier aller Menschen sein.


Nach diesen Worten entließ Naekubi ihre Follower.



*hoffentlich nimmt mir die biblischen Anklänge niemand übel *hust*
Danke an @baum_glueck für die Idee mit den Füßen!

Kommentare:

  1. Ich finde dein Gleichnis gut.
    Die Follower fragen nun: Aber wie soll man sich wehren, wenn die Füße weh tun? Doch sicher nicht mit zurücktreten?

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    1. Natürlich nicht, weil dann gehört man schon wieder zur ersten Gruppe. Wäre vielleicht eine Idee für eine Fortsetzung des Gleichnisses :)

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  2. "Wenn ihr zu einer starken Gruppe gehört und Schwächere bedrängt, seid ihr schlimmer als die erste Gruppe. Denn diese handelt willentlich böse. Die dritte Gruppe aber handelt aus Ignoranz und verletztem Stolz. Sie erkennt nicht einmal, wie böse sie ist."

    Meinst du in dem Fall, dass Gruppe 1 weniger schlimm ist als Gruppe 3? Das finde ich schwierig. Ich komme zwar zu keinem Ergebnis, wenn ich die Gruppen gegeneinander aufrechne, aber ich würde die dann tendenziell eher gleichwertig ansehen. Man könnte zwar wucht der Tritte mit der Dauer verrechnen und schauen, welche Gruppe am Ende die höhere Zahl hat, aber das wird dann nur dem Gleichnis gerecht, welches ich übrigens toll finde. Ich drehe mich schon wieder gedanklich im Kreis. Könntest du mir ein paar Gedanken schreiben, die du dir bei diesem Teil des Gleichnisses gemacht hast, vielleicht verstehe ich die Stelle dann besser.

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  3. Ich kann dir gar nicht genügend erklären, wie toll ich dieses Gleichnis finde! Darf ich dich anbeten?

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    1. Ach, zu viel der Ehre ^^ Ich freu mich, wenn ich damit etwas erklären konnte und ein bisschen einen Nerv getroffen habe :)

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